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Krämer inszeniert ein arabisches Zwischenspiel im Land der Juden |
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L e i t s e i t e Schmidtkes Aufsatz in der WdI Schmidtke als Herausgeberin Krämers Bilderbuch K. sieht überall Antisemiten Buch von el-Rouayheb Artikel von el-Rouayheb liwāṭ im fiqh (html) fehlende Fehler (insbesondere aus den Noten) sowie Fehler meinerseits bitte melden. Bitte auch angeben, ob Sie Schreiben mit Namen veröffentlicht werden soll. |
meine Besprechung, die leicht abgewandelt
in inamo 48 erschien: Verkehrte Welt. Da beschäftigt ein Journalist Forschungsassistenten, durchstöbert drei Jahre lang tausende Akten, während die Professorin sich auf Sekundärliteratur beschränkt. Sie ist ängstlich um eine ausgewogene Darstellung bemüht er hinfragt Gewissheiten. Unterm Strich sind beide Bücher schlecht. Gudrun Krämer vermeidet akademischen Jargon, versinkt aber im Dossierstil subalterner Beamter. Tom Segev dagegen liefert einen Roman mit filmreifen, schnellen Schnitten. Segev schreibt bedenkenlos subjektiv. Obwohl sich beide für kritisch und objektiv halten, liefern sie zionistische Propaganda, wobei Krämer nicht einmal Neues bringt. Segev arbeitet immerhin Thesen heraus: Gudrun Krämer warnt in ihrer «Geschichte Palästinas», dass die „Perspektive ist in unserem Fall eindeutig durch biblisch-historische Assoziationen“ geprägt und deshalb verzerrt ist. Trotzdem bringt sie kapitelweise biblische Geschichten, die sie als Geschichte ausgibt. So etabliert sie die zionistische Kolonisation als Rückkehr von Exilierten. Statt durch einen Vergleich mit Algerien, Südafrika und der Kolonisierung der eroberten Gebiete nach 1967 herauszuarbeiten, dass es sich um eine europäische Kolonisierung sowie um die Marginalisierung und Ausbeutung der Einheimischen handelte, stellt sie die – von ihr «Aufstieg» (Aliyah) genannte – Migration in den Kontext von Bibel und „Holocaust“. Treuherzig erzählt sie, dass das Land «bis hin zum Litani-Fluß» reiche. (S. 11) Ferner gelobt sie, „die Geschichte Palästinas nicht von ihrem Ausgang her zu schreiben“, aber außer Juden und Arabern kommen bei Krämer nur Engländer vor. Die Unterlegenen – Franzosen, Russen, Genuesen, Livornesen, Venezianer, Spanier, Österreicher, Preußen – sind unterbeleuchtet. Gegenüber den Arabern Jerusalems und Nablus’ werden die (später vertriebenen) Jaffaer, Baisāner und Maǧdaler übergangen. Dass vor 1914 Juden in Šafa ʿAmr, Gaza und Nablus lebten und arbeiteten, kommt nicht vor. Die Zustände heute sind bestimmend für ihre Darstellung des Gestern. Die Juden vor Beginn der Einwanderung von 1882 kommen nur als Opfer von Plünderungen unter Ibrahim Paša vor. Dass einer der mächtigsten Männer der Herrschaft Akko Ḥaim Farḥī (1760—1819) war, und dass in den hundert Jahren vor der britischen Eroberung sfardische Händler, Bankiers und Investoren eine große Rolle spielten: Fehlanzeige. Man erfährt auch nicht, wie fadenscheinig die Unterscheidung zwischen palästinensischen Juden (alter Jišūv) und den Kolonisten ist. Um 1800 lebten wohl nur 7000 Juden in Palästina. Die Zahlen gingen nicht kontinuierlich nach oben – mal hatte Sefad 4000 Juden, mal ganze sieben Familien, wie nach dem Erdbeben von 1759. Man erfährt auch nicht, dass keine aschkenasische Familie ihre Präsenz im Land weiter als 1830 zurückverfolgen kann. Immerhin erwähnt Krämer, dass die ersten Kolonien von frommen Mitgliedern des alten Jišūv gegründet wurden. Dass die Autorin so wenig über das Leben der palästinensischen Bauern zu berichten weiß, liegt auch daran, dass sie die Schriften der Ethnologen (Canaan, Granqvist, Dalman, Grant) ignoriert. Statt einer «Geschichte Palästinas Von der osmanischen Eroberung bis zur Gründung des Staates Israel» liefert Krämer Israel um 1000 v.Chr. und von 1750 bis 1948. Auch das Lektorat befremdet: Ceuta wurde nicht erst 1912 spanisch, sondern fiel schon 497 Jahre früher an die Christen, Mauretanien ist nicht die Spanische Sahara und Rumelien nicht Rumänien. Völlig überfordert zeigt sie sich bei einer wichtigen Frage „Gleichzeitig wird an dieser Stelle die schwierigen Unterscheidung zwischen Zionisten und Juden deutlich.“ (S. 207) „Aber wie sollte der normale Araber einen Albert Einstein einstufen, der – ohne selbst an die Aliya zu denken – als prominenter jüdischer Gelehrter der erweiterten Jewish Agency beitrat, die das zionistische Ziel der Errichtung einer nationalen Heimstätte für die Juden in Palästina verfocht? Wie sollte hier zwischen Juden und Zionisten unterschieden werden? [..] Wäre die Unterscheidung zwischen Zionisten und Juden klar und eindeutig gewesen und von arabischer Seite ebenso klar und eindeutig vollzogen worden, hätte es 1929 die Massaker von Hebron und Safed nicht gegeben, [..] Orten an denen jüdischer Landkauf keine Rolle spielte.“ (S. 315f.) „Auch [in Hebron und Safed, A. S.] attackierten [die Muslime, A. S.] vorrangig nicht Zionisten, sondern Angehörige des alten Yishuv, überwiegend orthodoxe Juden, die zum großen Teil unbewaffnet waren.» (S. 271) «Einmal mehr ist es schwierig, zwischen Juden und Zionisten zu unterscheiden. [..] Die paramilitärische Hagana wurde immer stärker [..] zur gleichen Zeit wurden die ersten befestigten jüdischen Wehrdörfer angelegt“. (S. 339f.) Dabei ist die Sache so einfach, wie sie nur sein kann: Wer die zionistische Besiedlung Palästinas durch Geld, politische Erklärung und Lobbying oder durch Arbeit unterstützt, ist objektiv ein Zionist. Wenn ein vor Hitler geflohener Deutscher in Rehovot eine neue Sorte Paprika züchtet, mit denen der Jišūv den Export steigert, ist er objektiv ein Zionist, selbst wenn er die Juden nicht als Nation begreift. Ein Einstein, der Geld für die Jüdische Agentur sammelt, ist sogar Zionist an und für sich, selbst wenn er nie Mitglied des «Zionistenvereins» war sondern nur der «Jüdischen Agentur». Wenn ein frommer Jude, der eigentlich auf den Messiah wartet, vom zionistischen Staat enteignetes palästinensisches Land bewohnt, ist er sogar dann Zionist, wenn er sich für anti-zionistisch halten sollte. So einfach ist das! Dass sich in Ḫalīl Muslime an ihren wehrlosen jüdischen Nachbarn vergangen haben, statt an bewaffneten Zionisten, zeigt nur, dass sie nichts riskieren wollten. Albert Einstein hat sie nicht so verwirrt, dass sie den Unterschied nicht mehr sehen konnten.Von atemberaubender Blauäugigkeit zeugt ein Satz gegen BuchEnde (S. 351) „Nur vor dem Hintergrund der politischen Entwicklung in Europa lässt sich der unerbittliche Kampf verstehen, den der Yishuv gegen jede Art der Beschränkung von Einwanderung, Landkauf und Ansiedlung führte.“ – Es mag ja den einen oder anderen Zionisten gegeben haben, dem es um die Rettung von Menschen vor der Ermordung ging, studiert man jedoch die Äußerungen des wichtigsten Zionisten, David Ben Gurion, seiner beiden bürgerlichen Widersacher, Chaim Weizmann und Zeʾev Jabotinski, sowie die des langjährigen Vorsitzenden der Zionistischen Weltorganisation, Nahum Goldmann, so ergibt sich, das der Zionismus nicht interessiert war, Menschen zu retten, sondern wehrfähige Juden und gebärfähige Jüdinnen ins Land holen wollte. Soweit war Platz der Zeitschrift. Und hier der Rest: |
falsches Hebräisch israelische Brille mehr Hebräisch keine Ahnung falsche Logik nicht mal die Bibel heilig, heilig, heilig Geschwafel Zionisten und Juden Rumelien nie gehört Philosemitin Fehler, Fehler ... nichts kapiert falsches Arabisch mehr zu Segevs Buch meine Leitseite nach oben nach oben |
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An (exzellenten) Einzelstudien zu Palästina mangelt es nicht. Doch fehlt eine fundierte Gesamtdarstellung. Dass Gudrun Krämer eine solche für die Zeit „von der osmanischen Eroberung [1516] bis zur Gründung des Staates Israel [1948]“ verspricht, erfreut deshalb. Doch leider liefert sie etwas ganz anderes, als Titel und Untertitel versprechen. Erst bietet sie dem Leser mehrere Kapitel über das heilige Land der Juden. Und während sie anfangs die biblischen Geschichten noch als solche zu erkennen gibt, gibt sie sie schon bald als Geschichte aus. Das ist nicht böse gemeint, sondern kommt davon, dass sie das Land eher aus Bibeln kennt denn aus eigener Anschauung. Es ist auch nicht so, dass sie uns alle Epochen gleich ausführlich erzählte: Assyrer, Babylonier, Hellenen, Römer, Byzantiner, Perser, Araber, Türken, Kreuzfahrer, Ayyubiden, Mameluken, Osmanen. Nein, nach den Juden springt sie gleich ins Jahr 1750. Obwohl „Professorin für Islamwissenschaft“, hat die Autorin von Islam keine Ahnung. Wie sonst könnte sie behaupten, dass im „klassischen islamischen Recht“ die Bodensteuer von der „Religionszugehörigkeit der Beteiligten“ abhänge (64), wo Studenten im ersten Semester lernen, dass seit 1300 Jahren der Übertritt zum Islam keine Änderung der Bodensteuer nach sich zieht: auf Boden, der von den Muslim gewaltsam erobert wurde, liegt auf alle Zeit der Beutesteuersatz – so das vorklassische, das klassische und das nachklassische islamische Recht. Die Aussage über Stiftungseigentum: „zugleich (!) unterlag es besonderen Steuersätzen“ (65) ist nicht nur unbelegt, sondern steht auch im Gegensatz zu den Aḥkam al-awqāf, die seit 1903 auch im Druck vorliegen. Extrem ist die Behauptung, Drusen, Aleviten und Imamiten hätten im osmanischen Reich sich selbst verwaltende Millets gebildet (115). Als Islamwissenschaftlerin sollte sie auch wissen, dass eine „Familienstiftung“ im islamischen Recht einem „frommen“ Zweck nennen muss, der beim Aussterben der Nutznießer-Familie bedach wird (65f.). Auch mit Hebräischkenntnissen gibt sie an: Nationalrat (Vaad Leumi, va’ad le’umi)“ (225) – kursiv heißt also: ganz genau. Richtig ist keine ihrer beiden Umschriften: eine einzige würde genügen: Waʿad Leʾumi (hyperkorrekt: wāʿad lĕʾummī). „Hatikva … korrekt eigentlich ha-tikva“ (133) – eigentlich: hat-tiqwa הַתִּקְוָה sonst müsste es so הַתִכְּבָה geschrieben sein. Wieso sie keren kayemeth le-yisrael schreibt statt qeren qayemet le-isra’el, verstehe ich nicht; auf jeden Fall heißt das „das Kapital bleibt (ewig) für Israel“ und nicht Jüdischer Nationalfund (137).In „«Partei der Arbeiter in Eretz Israel» mifleget po’alei be-eretz yisrael“ (282) sind mehrere Fehler:
Durch diese Fehlübersetzung bereitet die Autorin propagandistisch den Boden für die Umdeutung „Palästina = Westbank + Gaza“. Allgemeine Bemerkung zur Umschrift: Für jemanden, der gelobt „die Geschichte Palästinas nicht von ihrem Ausgang her zu schreiben, also der Gründung des Staates Israel“ (9) ist es komisch, den doch von arabischen Beduinen bewohnten Naqab Negev zu nennen und seine 1900/01 gegründete Hauptstadt Beersheva statt Biʾr as-Sabaʿ (S. 57 lässt sie es erst 1909 zum Verwaltungszentrum werden, was unwahrscheinlich ist, da der Gouverneurspalast 1906 fertig wurde; in Wirklichkeit war die Stadt von Anfang an Verwaltungszentrum, mit einem Jerusalem direkt unterstellten Qāʾim-Maqām; 1908 erhielt er den zusätzlichen Titel eines mutasarrıf muavini). Und ganz bestimmt von Ausgang her, der Teilung, ist ihre Ankündigung: „ich verwende den Begriff «Palästinenser» nicht auf die Juden“, obwohl „alle Einwohner des Mandatsgebiets «Palästinenser» waren“ (203); trotzdem spricht sie von einem jüdischen Orchester als der „Palästinensischer Philharmonie“ (325). Wer die Leser nicht wie erwachsene Menschen behandelt, der ihnen auch eine Begriffsverengung zumutet, darf sich nicht wundern, wenn sie die zionistische „Palestine Post“ für eine PLO-Zeitung halten.Die Verfasserin schafft es sogar, die Abkürzung Tsahal (צה"ל) falsch als „Nationale Verteidigungsarmee“ aufzuschlüsseln, statt als „IsraelVA“ (369). Komischerweise lässt sie Irgūn Tsvaʾī Leʾumī unübersetzt (Nationale Militärische Organisation) und benutzt den Namen in Kapitel XIII durchgängig falsch – ohne Artikel – anderswo aber richtig. Ebenso komisch ist der zig-fache Gebrauch von „der jüdische Yishuv“, so als spräche man von „islamischer Moschee“ und „jüdischer Synagoge“, S. 315 gar „im Namen des palästinensicher jüdischer Yishuv“ (statt: im Namen der Juden Palästinas) obwohl sie das Wort S. 122 als „die gebräuchliche Bezeichnung für die in Palästina lebenden Juden, abgeleitet von dem hebräischen Verb yashav, «sitzen»)“ eingeführt hatte {nebenbei: yašāv heißt „er saß, er wohnte, er bewohnte“, yišūv (Siedlung, sowohl das Abstraktum wie die Tätigkeit) ist von yišev = besiedlen abgeleitet; mošāv den Ort, wo gesiedelt wird, yešiva Sitzung und religiöse Hochschule gehen auf den gleichen Stamm zurück. }ha’arets heißt nicht „der Boden“ (134), sondern
DAS LAND, also Israel – durchaus auch in seiner Stofflichkeit (qarqaʿ = Boden,
adama = Erde, Erdkrume). Dass sie sich nicht wirklich auskennt, merkt man an Kleinigkeiten: S. 135 läßt sie „1910/11 in Afula eine erste, vom jüdischen Wachbund «Shomer» beschützte Siedlungskooperative (Merhavia) gegründet“ werden, S. 392 schreibt sie: Merhavia wurde nach dem Ersten Weltkrieg in eine genossenschaftliche Siedlung moshav, umgewandelt“, S. 136: „die ländlichen Siedlungen (moshav und moshava)“, S. 228 läßt sie „1921 mit Nahalal und Tel Joseph die ersten Kibbutzim“ entstehen und S. 138 übersetzt sie kvutza mit „genossenschaftliche Siedlung“, schließlich schreibt sie auf S. 304: „Kwutzah (eine Form des Kibbutz, G.K.)“Erstens bilden Moschava (Kolonie, in dem den Bauern Land und Produktionsmittel gehören und arabische Erntehelfer eingesetzt werden) und Moschav (Genossenschaft auf gepachtetem Land) nicht die ländlichen Siedlungen – da gehören Qibbūts, Mošav šitufi, Gutshof, Landwirtschaftinternat, … dazu. Zweitens ist Nahalal der erste Moschav (nicht Kibbutz), drittens konnte Merhavia 1910/11 schlecht in ʿAfula gegründet werden, weil ʿAfula erst 1925 entstand – es entstand auf der Gemarkung al-Fule. Viertens wieso 1910/11? – richtig: Dezember 1910. Fünftens waren die Schomrim nicht bloss die Beschützer Merhavias, sie waren die ersten Bewohner und stellten die Mehrheit der Arbeiter, sie konstituierten sich als Qvutsa, als Kommune. Sechstens ist Qvutsa keine „genossenschatliche Siedlung“, sondern „eine Gruppe, die Besitz teilt“ – die oft einen Qibbūts bewohnen. Siebentens wurde Merhavia 1918 in nichts umgewandelt, sondern aufgelöst; erst 1929 ließ sich die Qvutsa Hertsliya hier nieder und gründete den Qibbuts Merhavia. 1922 war östlich davon der Moschav Merhavia entstanden. „«jüdische Arbeit» eigentlich, und der Unterschied ist wichtig, «hebräische Arbeit»“ (134) Ganz richtig, aber komischerweise schreibt G.K. nur fünf Seiten später wieder «jüdischer Arbeit» und obwohl sie uns S. 213 erinnert „bezeichnenderweise Hebräische (nicht: Jüdische) Universität“ schreibt sie S. 282 von der jüdischen Nationalbibliothek. Sie denkt unsauber: „Gegen Ende des 13. Jhd. ist erstmals von Hebräern die Rede, die möglicherweise in ägypt. Text genannten nomadisierenden Apiru oder Habiru zuzurechnen waren“ (14) – wenn die Zurechnung unsicher ist, ist von Hebräern auch nur möglicherweise die Rede; was sie meint ist, dass „Apiru“ sprachl. und inhaltl. „Hebräer“ sein könnten; falls sie es wären, wäre das die erste Erwähnung der Hebräern.Nicht einmal ihre Hauptquelle, die Bibel zitiert sie richtig: Gott führt Tharah nicht ins Land Kanaan (17), sondern Therah/Tharah bricht ungeführt dahin auf, kommt aber nur bis Haran/Harran in Nordmesopotamien/ Südostanatolien.Dass Kaiser Konstantin, Judenchristen „verschärft“ verboten hätte, in Jerusalem zu wohnen (26), ist ein Schmarren. Auch das zweite Kapitel Zur Heiligkeit des «Heiligen Landes» hat nichts mit dem Thema zu tun. Hier trifft Krämer mal den Nagel auf den Kopf: „Es ist natürlich mutig, um nicht zu sagen vermessen, [dies] in wenigen Strichen … zeichnen zu wollen.“ (15) Warum tut sie es dann? Was Krämer über die „Bannung/herem der nichtjüdischen Bewohner“ schreibt (33) stimmt nur halb, sie gilt nicht den nichtjüdischen Bewohnern sondern „nur“ bestimmten explizit genannten Völkern (Deut. 7:1–2; 20:16–18); außerdem ignoriert sie die zig Bibelstellen über den ger, den nichtjüdischen Bewohner des Landes, etwa Lev. 19:33-34: „Wenn ein ger bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid gerim gewesen in Ägypterland.“ ʿAliya ist keineswegs Welle (P 128) und nicht nur Pilgerfahrt nach Jerusalem (P126) (das ist aliya la-regel), sondern auch Aufstieg zum Lesen aus der Torah. Und Tel Aviv ist nicht nach Altneuland benannt (P 141), sondern nach Hezekiel 3:15. Es zeigt sich halt überall, dass die Autorin mit dem Gegenstand nicht intim vertraut ist, sondern sich just zum Verfassen des Buches Wissen angelesen hat. Das könnte sogar ein Vorteil sein, wenn sie die Leser mitnähme auf ihre Entdeckungsreise. Da sie aber die Rolle des allwissenden Autors einnimmt, geht es daneben. – Wieso teilt sie uns gerade mit, dass 1909 „Grundstücke für ein neues jüdisches Viertel nördlich von Jaffa verlost“ (P 141) wurden? Und nicht, dass 1887 das erste jüdische Neubauviertel Jaffas gegründet wurde. Keineswegs „verwandelte sich 1910 Ahuzat Bayyit {wieso nur eine Umschrift und nicht eine gerade und eine kursiveö} in die Stadt Tel Aviv“ (P 141). 1908 kaufte der Verein Aḥûzat Bayt ein Grundstück, 1909 schlossen sich Hausbesitzer der schon existierenden jüdischen Viertel Jaffas Geʿûlā und Naḥalat Binyâmîn an, 1910 gab man sich einen gemeinsamen Namen. Aber erst Ende Mai 1921 wurde es eine Stadt, 1925 wurde der erste Stadtentwicklungsplan beschlossen. Dabei gelobte sie doch nicht „Geschichte von hinten“ zu schreiben; aber 1910 – bei der Taufe – handelte es sich bei Tēl Ãvîv um Vororte (nicht viel anders als Newe Tsēdeq und Newe Schālôm). Eine Stadt mit eigenem Zentrum wurde erst später angestrebt. „Der Mufti sollte eine offen antisemitische Haltung annehmen, die im Kern antizionistisch ... war.“ (313 meine Hervh.) Das ist unsauber gedacht: Antisemitismus kann nicht im Kern antizionistisch sein. Die Vorstellung von ewig gleichen Juden, die sich verschworen haben, die Nicht-Juden durch Kapitalismus, Kommunismus, Libertinage und entartete Kunst, durch ersetzende Presse und Revolutionen mürbe zu machen, um sie umso leichter melken zu können, kann nicht im Kern die Gegnerschaft zu dem politischen Projekt sein, einen Gewaltapparat auf dem Boden eines Volkes zu errichten, das dem nicht zugestimmt hat. Dass des Muftis Feinschaft gegen die Juden, primär (im Kern) wohl begründete Gegenerschaft gegen den Zionismus war und sekundär durch anti-semitische Vorstellungen verstärkt und verformt wurde, ist ein ganz anderer Sachverhalt. Bisweilen schwingt sie sich zu intellektuellen Höhenflügen auf: „Was aber ist nach jüdischen Verständnis «heilig» an Eretz Israel? Zunächst sollte es im strengen Verständnis nicht «heiliges Land» heißen, sondern «Land des Heiligen» – heilig, weil Gott sein Besitzer ist; heilig, weil in ihm Gottes Gesetz gilt; heilig, weil es im rituellen Sinn rein ist.“ (31) Ja, was den nun, dreifach heilig, aber dennoch streng genommen nicht heilig – ? ?Dass sie hier Feinheiten kapiert, die mir zu hoch sind, ist unwahrscheinlich, sie kapiert ja noch nicht einmal, dass die Bewohner des Nordreiches Israel „Israeliten“ genannt werden und die Bewohner des Südreiches Judäa „Juden“ (S. 23 wirft sie das gleich zweimal durcheinander). Und wer „Nur 6 % der jüdischen Männer waren Analphabeten“ für sich übersetzen muss „anders ausgedrückt konnten 93% der Männer lesen und schreiben (stets eine dehnbare Größe)“, ist doch nicht ganz bei Sinnen. „ … in Palästina fanden sich zwei indirekte Formen der Steuereintreibung, die Mittler einsetzen: …“ (75) – „indirekt“ bedeutet vermittelt, und dass die Formen Mittler einsetzen, ist Unsinn. Wie wäre es mit „Steuern, die nicht an die Zentrale flossen, sondern Ritter ernährten, der dafür dem Sultan zu Militärdienst verpflichtet waren“? Sowohl „indirekt“ wie „Mittler“ sind überflüssig.
„die bäuerliche Bevölkerung … [vulgo: die Bauern A.S.] hatten verschiedenste reguläre und irreguläre Steuern und Abgaben (sog. avariz) zu leisten.“ (76) Wieder reine Angeberei – bezeichnet avariz Abgaben oder Steuern? Reguläre, irreguläre oder beides? Abgesehen davon (1) heißen sie auf Arabisch ʿawariḍ, (2) sind eigentlich unregelmäßige Dienste, die durch bedel-Zahlung ersetzt werden können; (3) der Fachausdruck, den Krämer meint ist rusūm, auch bād-i hawā und ʿādāt, osmanische Juristen nennen sie auch mukūs.[2]
Die meiste Luft erzeugt sie mit „sogenannt, namentlich, nebenbei bemerkt, dementsprechend, bemerkenswerterweise, wohlbekannt, gewissermaßen, sog.“. „auf der einen Seite … auf der anderen“ steht meist für „und“; „zugleich“ ist oft reines Füllwort. Gern verzichtete ich auf „wie schon gesagt, wie erwähnt, wie dargelegt, bekanntlich“, „wird im Laufe der Darstellung noch darauf einzugehen sein“, „dazu an anderer Stelle mehr“, „von der gleich noch die Rede sein wird“ und erst recht auf „… muss nicht eigens ausgeführt werden“. [selbst / scheint / allerdings / wie anderswo – statt „nacheinander“: „in zeitlicher Abfolge“ (alle 74/5)] Zionisten und Juden Völlig überfordert zeigt sie sich bei einer wichtiger Frage: „Gleichzeitig (!) wird an dieser Stelle „Aber wie sollte der normale Araber einen Albert Einstein einstufen, der – ohne selbst an die Aliya zu denken – als prominenter jüdischer Gelehrter der erweiterten Jewish Agency beitrat, die das zionistische Ziel der Errichtung einer nationalen Heimstätte für die Juden in Palästina verfocht? Wie sollte hier zwischen Juden und Zionisten unterschieden werden? … Wäre die Unterscheidung zwischen Zionisten und Juden klar und eindeutig gewesen und von arabischer Seite ebenso klar und eindeutig vollzogen worden, hätte es 1929 die Massaker von Hebron und Safed nicht gegeben … Orten an denen jüdischer Landkauf keine Rolle spielte.“ (315f.) „Auch [in Hebron und Safed] attackierten [Muslime] vorrangig nicht Zionisten, sondern Angehörige des alten Yishuv, überwiegende orthodoxe Juden, die zum großen Teil unbewaffnet waren.“ (271) „einmal mehr ist es schwierig, zwischen Juden und Zionisten zu unterscheiden … Die paramilitärische Hagana wurde immer stärker … zur gleichen Zeit wurden die ersten befestigten jüdischen Wehrdörfer angelegt“ (339f.) – vermutlich azionistische Wehrdörfer. Dabei ist die Sache so einfach, wie sie nur sein kann: Wer die zionistische Besiedlung Palästinas durch Geld, politische Erklärung und Lobbying oder durch Arbeit unterstützt, ist objektiv Zionist. Wenn ein vor Hitler geflohener Deutsche in Rehovot eine neue Sorte Paprika züchtet, mit denen der Jischuw den Export steigert, ist er objektiv Zionist, selbst wenn er die Juden nicht als Nation begreift. Ein Einstein, der Geld für die Jüdische Agentur sammelt, ist sogar Zionist an und für sich, selbst wenn er nie Mitglied des „Zionistenvereins“ war, sondern nur der „Jüdischen Agentur“. Und wenn ein frommer Jude, der eigentlich auf den Messiah wartet, vom zionistischen Staat enteignetes palästinensisches Land bewohnt, ist er sogar dann Zionist, wenn er sich für anti-zionistisch halten sollte. So einfach ist das! Dass sich in Ḫalīl Muslime an ihren wehrlosen jüdischen Nachbarn vergangen haben, statt an bewaffneten Zionisten, zeigt nur, dass sie nichts riskieren wollten. Albert Einstein hat sie nicht so verwirrt, dass sie den Unterschied nicht mehr sehen konnten. Von atemberaubender Blauäugigkeit zeugt ein Satz gegen Buchende (351) „Nur vor dem Hintergrund der politischen Entwicklung in Europa lässt sich der unerbittliche Kampf verstehen, den der Yishuv gegen jede Art der Beschränkung von Einwanderung, Landkauf und Ansiedlung führte.“ – Es mag ja den einen oder anderen Zionisten gegeben haben, dem es um die Rettung von Menschen vor der Ermordung ging, studiert man jedoch die Äußerungen des wichtigsten Zionisten, David Ben Gurion, seiner beiden bürgerlichen Widersacher, Chaim Weizmann und Zeʾev Jabotinski, sowie die des langjährigen Vorsitzenden der Zionistischen Weltorganisation, Nahum Goldmann, so ergibt sich, dass der Zionismus nicht interessiert war, Menschen zu retten, sondern dass er nur wehrfähige Juden und gebärfähige Jüdinnen ins Land holen wollte. Doch nicht nur zionistischer Propaganda geht sie auf dem Leim, auch ein PLO-Standardargument gibt sie unkritisch wieder: „Dem jüdischen Staat war deutlich mehr Land zugeteilt als das zu dieser Zeit in jüdischem Besitz befindliche Land, das lediglich 6–7 % des Mandatsgebiets ausmachte.“ (328) Weite Teile die Landes waren Strand, Sumpf, Felsen, Wüste, Straßen, Bahndämme, Bäche; der Naqab umfasst 50% des Landes, nur etwa 15 % des Mandatsgebiets waren klar in arabischer Hand. Wenn man die Weidegebiete der Beduinen – deren Rechte auch in arabischen Staaten eingeschränkt werden – auf der arabischen Seite einrechnet, kommt man auf 25 %. Wer nur die Zahl 6-7 für Juden zitiert, akzeptiert, dass den Arabern mindestens 93 % zustanden. Man kann ja das PLO-Argument bringen (die Araber waren die rechtmäßigen Besitzer des Landes, also gehörte alles Staatsland ihnen), aber den arabischen Anteil gar nicht zu erwähnen, ist eine Lüge durch Weglassen. Leserunfreundlich auch: „die osmanischen Behörden siedelten verschiedene Flüchtlingsgruppen an, darunter Tscherkessen aus Bulgarien und Rumänien …; ab 1856 strömten auch Flüchtlinge aus Algerien nach Palästina.“ (164) Das klingt so, als seien die Algerier zahlreich und spontan, ohne Zutun der Behörden geströmt, und aus der Reihenfolge sowoe aus „ab 1856 strömten auch“ schließe ich, dass die Tscherkessen vor den Algeriern kamen. Beides falsch! Die Tscherkessen kamen ab 1878, und bei Schölch steht „Čerkessen und Tartaren aus Bulgarien und Rumelien“; bei den Algeriern präzisiert er „nach Safad und nördlich des Ḥūle“. Schließlich fände ich es nett zu erfahren, dass es sich nicht um bulgarische Tscherkessen und rumelische Tartaren handelt, sondern, dass diese Kaukasier nur 12, 14 Jahre Zwischenstopp gemacht hatten: Nach 1864 waren sie aus ihrer Heimat vor den Russen geflohen und als Slawen das Osmanischen Reich auch auf dem Balkan bedrängten, zogen sie weiter.„die Idee der «Produktivierung» der «jüdischen Massen» durch Verwandlung jüdischer «Luftmenschen» in «Arbeiter» gab an sich antisemitische Vorurteile … spiegelbildlich wieder“ (133) Typisch für das Wischi-Waschi-Denken der Autorin: Dass bei den Juden des Rayon der Anteil an Bauern geringer, der von Händler höher war als bei Katholiken und Orthodoxen, ist kein Vorurteil; die Vorstellung, der Jude habe den Handel im Blut oder der Talmud sei ein Handbuch zum Übervorteilen von Christen, ist antisemitisch. Spiegelbildlich wäre es, wenn die Zionisten die Christen für unproduktiv hielten. Zionisten spiegeln aber nichts, sondern teilen die Verachtung für Händler, Theaterkritiker und Textilarbeiter, bewunderten Bauern, Schmiede und Bergleute – je körperlicher und je unmittelbarer mit dem Boden verbunden desto besser. Auch hinter dem „an sich“ steckt unsauberes Denken: Die Autorin glaubt, ein „antisemitisches Vorurteil“ sei keins, sobald es von Juden geglaubt wird.Fehler, Fehler Aber was kann man von jemandem Erwarten, der sich bei der iberische Eroberung Sebtas (alias Ceuta) um 497 Jahre (170)[3], der österreich-ungarische Besetzung Bosnien-Herzegowinas um vierzig Jahre (260)[4] und dem israel.-jord. Friedensvertrag um zehn Jahre (374) vertut, wer Vichy nach Paris verlegt (347) und die Westsahara mit Mauretanien verwechselt (170)? Dass sie „verpachten“ und „verkaufen“ (32), „radikal“ und „brutal“ (33), „umsonst“ und „grundlos“ (89) verwechselt, wundert da nicht mehr. Dass Basilika auf griechisch Martyrion heiße und Rotunde Anastasis, ist eher Schlampigkeit (42). Der Staat Israel „übernahm“ 1949 auch nicht den Schekel als Währung sondern das britische Pfund. (132) S. 92 „neben – und später anstelle – … und zwar nicht, um die Janitscharen zu ergänzen, sondern um sie zu ersetzen.“ S. 51 „Hier wie in der Preisliteratur, von der gleich noch die Rede sein wird, handelt es sich zunächst wohl um eine lokale Produktion … Lokalen Ursprungs war zugleich die Literatur über die Vorzüge Jerusalems …Nebenbei bemerkt gab es vergleichbare Schriften für eine Vielzahl von Städten und Landschaften, so dass sie sich keineswegs auf Jerusalem beschränkte.“ Von 136 „lokal“ könnte man 28 ganz weglassen und 13 korrekter durch regional ersetzen. Das Buch besteht aus Belanglosem, aus Wiederholungen, Fehlern und Ungenauem. Etwa S. 77ff:
„Autonomisierungstendenzen: Zahir al-Umar und Ahmad al-Jazzar … er eignete sich das Monopol über den Handel mit Baumwolle und
Getreide an“ Auto-Nomie? Selbst-Gesetz? Nein, die Herrscher der „Herrschaft Akko“ haben den Sultan und die Gesetze des Reichs
anerkannt. „AutonomisierUNG“ und „Tendenz“ sagen doppelt: zunehmende Autonomie. Stimmt aber für die 85-jährige Geschichte
der Herrschaft Akko nicht. Und was hat sie sich bei „TendenzEN“ gedacht? („weitgehende Selbständigkeit“ wäre ein
passender deutscher Ausdruck für das Gemeinte.) „Im Gegensatz zu Zahir aber war Ahmad Pascha [sic, nicht Pasha] selbst Repräsentant des osmanischen Staatsapparats, der sorgsam darauf achtete, fällige Steuern und Abgaben fristgerecht zu entrichten.“ (80) Erstens lassen sich Beiwörter einsparen: im Gegensatz enthält aber; fällig enthält frist- und sorgsam enthält -gerecht. Zweitens führte auch Ẓāhir Abgaben ab: Er begann seine Karriere um 1705 als osmanischer [nicht etwa russischer] Steuerpächter, 1730 war er Multaẓim von Tiberias und ʿArrāba und 1768 verlieh ihm der Sulṭān den Titel „Šaiḫ von Akko, Amīr von Nazareth, Tiberias, Safed und ganz Galiläa“. Krämers Gegensatz gibt es nicht, es gibt andere Unterschiede. Ẓāhir war bestimmt kein Mameluck, als welchen Krämer Aḥmad Pāšā bezeichnet (79). Doch während sie uns sonst erklärt, dass muslimische Richter „Kadi“ heißen (71) und dass Kadi „Richter“ bedeutet (73), bleibt sie uns hier die Erklärung schuldig. Aḥmad war kein Sklave – die Grundbedeutung von Mamluk –, er war ein Fremder und konnte reiten, wie die Mamelucken, und er stützte sich auf fremde Militärs – dass die angeworbenen zahlenmäßiger immer und in der zweiten Hälfte seiner Herrschaft auch machtmäßig wichtiger waren als die angekauften, kann man vernachlässigen, und seine Macht wurde nicht innerhalb seiner Familie weitergegeben, sondern innerhalb seines Haushalts. Ganz falsch liegt Krämer also nicht, aber ihre im strickten Sinne falsche Bezeichnung sollte sie begründen. Zur weiteren Relativierung: alle hohen osmanischen Amtsträger mussten Mamluken halten, hielten sich aus Prestigegründen oft viele – auch Aḥmads Damaszener Konkurrenten, die Familie al-ʿAzm hatte Sklaven und eine „Privatarmee“, ohne von ihr Mamluken genannt zu werden. Entscheidend ist: Ein Mamluk gehörte seinem Herren oder war durch ein Treuegelöbnis an seinen Freilasser gebunden – nichts von beidem gilt für Aḥmad. „Schon dessen Nachfolger Abdallah Pascha (1819–1832) stellte sich mit der Bekämpfung ländlicher Clans wiederum in den Dienst des Sultans“ (81) enthält zwei falsche Füllsel: Schon setzt voraus, dass hier ein Trend anfängt, der danach voll zum Tragen kommt, danach kommt aber die ägyptische Herrschaft. Und wiederum ? In Wirklichkeit wurde ʿAbdallah 1822 von Konstantinopel für „abgesetzt“ erklärt, was er ignorierte. Und dass er 1830 zusätzlich als Multaẓim von al-Quds aṣ-Šarīf, al-Ḫalīl und Nablus eingesetzt wurde, kann man auch als „Bekämpfung ländlicher Clans“ umschreiben – „Ausweitung des Herrschaftgebiets“ wäre eine andere Möglichkeit – S. 57 nennt es die Autorin (ohne Nennung des Bedachten und ohne Beleg für die Begründung) „Vereinheitlichung der «palästinensischen» Provinzen, um die Expansionsgelüste Muhammad Alis abzuwehren“. – Ob es 1794, als Aḥmad Bāšā die Wollsteuer in ganz Palästina einzutreiben hatte, auch um die Abwehr ägyptischer Expansion ging, ist unbekannt. Komplett falsch ist die Behauptung auch „in den 1840er Jahren“ seien „die «palästinensischen» Provinzen“ vereinheitlicht worden. nichts kapiert Eine Geschichte Palästinas 1730 bis 1860 zu schreiben, in der die Parteiungen „Qais – Yamanī“ nicht einmal erwähnt werden, ist eine Meisterleistung besonderer Art. Arabischen Quellen zufolge verdankt die Zayādina, die qaisistische Familie Ḍāhirs, ihren Einfluß dem qaisitischen Drusenemir Bašīr, der nach dem Sieg über die yemenitischen Šiʿitenṣaiḫs überall Qaisiten als Steuerpächter einsetzte und in Zentralpalästina waren die Parteiungen bis etwa 1860 die einzigen überörtlichen Bündnisse. Schölch schreibt, dass sie danach zwar noch im Munde geführt wurden und im Brauchtum noch hundert Jahre später eine große Rolle spielten, dass aber allmählich Ideologien (Panislamismus, Nationalismus, Liberalismus, Sozialismus) die alten Loyalitäten überlagerten, dann ablösten – ein Umbruch, den man aber nur mitbekommt, wenn man geruht, den Zustand davor zur Kenntnis zu nehmen. Dass um 1860 die Herrschaft der Scheichs durch die mächtigere, bürokratischere Staatsverwaltung zurückgedrängt wird, ist eine der Ursachen dafür.[5] S. 71 klärt sie uns auf, dass muslimische Richter „Kadi“ heißen und S. 73, dass Kadi „Richter“ bedeute, S. 69f. schreibt sie „der aus Istanbul entsandte Kadi bekleidete innerhalb der osmanischen Gelehrtenhierachie einen vergleichsweisen hohen Rang.“ Dummerweise erinnert sie sich auf S. 257 nicht mehr daran: sie schreibt „das Amt des Muftis, das wie erwähnt in der osmanischen Ämterhierarchie vergleichsweise hoch angesiedelt war“ – peinlich für eine Islamwissenschatlerin den Rechtsgutachter und den Richter nicht auseinanderzuhalten – zusätzlich wäre es richtiger bei Muftis von Gelehrten, bei Kadi von Amtsinhabern zu sprechen; typisch Kämer ferner, das doppelte, nichts-sagende „vergleichsweise“. Gern tut sie gebüldet: „lokale Gemeinschaften horizontal und vertikal vernetzt“ (61) „horizontale Gliederung … vertikale Unterscheidung“ (27), doppelgemoppelt („das Begräbnis bzw. die Überführung von Toten“ S. 38) oder gebüldet und verständlich „auf Anatolien und Rumelien, d.h. auf die asiatischen und die europäischen Reichsteile … innerhalb der Stadt (intra muros)“ (61) und „in bar“ erklärt sie durch „nicht in Naturalien“ (76). „Durchsetzung von Gesetz und Ordnung … Law-and-Order“ (105)
„Grundsätzlich wurden Steuern nur unter Druck entrichtet“ – so weit so gut, doch Krämer hängt eine völlig unerwartete Wendung an: „und, fehlte es an diesem, häufig genug nicht gezahlt.“ (76)
Manchmal verliert sie den Überblick: S. 255 erzählt sie Quatsch: „an vielen Stellen war ein enger Zusammenhang von Religion (Islam) und antikolonialem Kampf gegeben. [X und Y hingen zusammen]… In Syrien etwa sprachen Widerstandskämpfer von einem «nationalen Jihad».“ – Richtig dagegen auf S. 322 „«Jihad» längst zum Synonym für den nationalen Befreiungskampf geworden, so dass sich die speziell religiöse Note („Kampf auf dem Weg Gottes, al-jihad fi sabil allah) verloren hatte.“ und ein bisschen zu zahm S. 305: „intensives Bemühen um ein gottgefälliges Leben (al-jihad fi sabil allah).“ So wie sie ארץ mit Eretz statt mit Land übersetzt, so اﻟﺠﻬﺎد اﻟﻮﻃﻨﻲmit nationalem Jihad, statt mit nationaler Anstrengung. Aber was kann man von jemandem erwarten, der die iberische Eroberung Sebtas (alias Ceuta) um 497 Jahre, den israel.-jord. Friedensvertrag um zehn Jahre zu spät (374) und Vichy nach Paris (347) legt und die Westsahara mit Mauretanien verwechselt (170)? Dass sie „verpachten“ und „verkaufen“ (32), „radikal“ und „brutal“ (33), „umsonst“ und „grundlos“ verwechselt, wundert da nicht mehr. Dass Basilika auf griechisch Martyrion heiße und Rotunde Anastasis, ist eher Schlampigkeit (42). Der Staat Israel „übernahm“ 1949 auch nicht den Schekel als Währung sondern das britische Pfund. (132) Merkwürdig – wenn auch nicht ganz falsch – die Behauptung, Palästina sei nach 1948 „von Israel, Syrien, Jordanien und Ägypten [besetzt]“ gewesen (376). Ungenau faselt sie von „ 60 % Griechisch-Orthodoxen“ (165), „obwohl ein Teil der Gläubigen der russisch-orthodoxen Kirche angehört“ (239). Manchmal erkennt man zwar, was sie gemeint hat, trotzdem schreibt sie genau genommen das Gegenteil: die Zionisten waren nicht an der „kontrollierten Einwanderung vor allem unbemittelter Personen“ (251) interessiert, sondern an einer Kontrolle der Einwanderung unbemittelter Personen, sowie der unkontrollierten Einwanderung von Leuten mit Kapital und/oder besonderen Fähigkeiten. Am 1. Mai 1921 läßt sie die „Kommunistische Partei Palästinas (Mopsi)“ demonstrieren, obwohl es die KP erst ab 1922 gab und MOPSI die Abkürzung von מפלגת פועלימ סוציאליסטים עיברים ist, also Partei Hebräischer Sozialistischer Arbeiter bedeutet (1919 wurde sie als מפלגת פועלימ סוציאליסטים (MOPS) gegründet). Bezeichnenderweise kommen ihr immer wieder ganz simple Sachverhalte als „hochkomplex“ oder „kompliziert“ vor, und Fluchtpunkt benutzt sie nicht zur Erklärung der Zeichenperspektive, sondern empfiehlt ihn als sicheren Hafen. (348) „Bekanntwerden der UNO-Resolution“ (362) legt nahe, dass sie erst beschlossen wurde und dann später – vielleicht sogar unabsichtlich – bekannt wurde; tatsächlich wurde sie in aller Öffentlichkeit beschlossen, die BBC übertrug die Sitzung aus San Francisco. S. 111 Templer „die sich an 1869 in Galiläa niederließen“ – komplett falsch: 1868 gründeten die aus der württembergischen Kirche ausgeschlossenen Templer eine Kolonie in Haifa, 1869 eine in Jaffa, 1871 eine nördlich von Jaffa und 1873 eine in Jerusalem, die 1878 ein paar Meilen nach Süden umzog. 1902 gründeten Templer eine Kolonie bei Ludd. Die einzigen deutsch-protestantischen Siedlungen in Galiläa erfolgten 1906 – und zwar von Mitgliedern der Landeskirche! S. 110 „Bis in die 1870er Jahre war die «palästinensische» Handelsbilanz im übrigen positiv“ – ja, aber bei Schölch erfahren wir zwei wichtige Einschränkungen: große Teil des in Akko/Haifa/Jaffa gelöschten Importe wurden in Beirut verzollt und tauchen nur in den dortigen Büchern auf und die meisten «palästinensischen» Kleinhändler bezogen ihre Importwaren via Beirut oder Damaskus. Manchmal ist sie komisch: S. 53 bietet sie uns „ein gutes Beispiel“ „europäischer Reiseliteratur“ das „im englischen Original allerdings noch ausdrucksstärker ist“ und dann klärt sie uns auf, dass der englische Reisende des 19. Jhd. in Wirklichkeit ein israelischer Professor ist – sie würde sicher „des 20. Jahrhunderts“ hinzufügen, als wüssten wir nicht, dass es im 19 Jhd. keine Israelis gab. Die Karten sind geklaut und/oder falsch: S. 20 teilte sie uns mit, dass sich die Grenzen „von Dan bis Beersheva“ auf die „Zeit des ungeteilten Königreiches (ca. 1000–928)“ bezieht; die so überschriebene Landkarte daneben weist jedoch späthellenistische Gebiets- und Ortsnamen auf. Die Karte S. 60 „Handels- und Pilgerrouten im 18. Jh.“ hat alle Fehler (und einige mehr) der geklauten Karte: a) Die Küstenlinie weist völlig übertriebene Einbuchtungen auf, sie ähnelt darin keiner der anderen Karten im Buch sondern kopiert sklavisch die Fehler der „Karte 2: Die Provinz Syrien im Jahre 1880“ aus Alexander Schölchs Palästina im Umbruch (Stuttgart 1986), b) 1880 fällt nicht ins 18. Jhd. sondern liegt ziemlich am Ende des 19., c) Beirut gehört nicht zum Libanon-Gebirge – richtig bei der ungenannten Quelle. d) Die Pilgerroute schwenkt auf der Karte in Jenin Richtung Damaskus, im Text eine Seite davor „auf der Höhe von Jenin zur Küste“ – richtig: bei Dschenîn über Qunaitra nach Damaskus. >e) Dass Nablus „im 18 Jh.“ zum „Sanǧak Balqa“ gehört habe, ist ein Schmarren. Balqāʾ ist der traditionelle Name für Zentraltransjordanien. Im 18. Jh. wurden das ostjordanische Sanǧak ʿAǧlūn zusammen mit dem westjordanischen Laǧǧūn verwaltet, dann und wann wohl auch von Nablus aus (statt von Ǧenīn). Offensichtlich war es auch 1880, dem Jahr für das Schölch die Karte machen ließ, so – Kenner wissen, dass man die Verwaltungsgrenzen nicht jahrhundertweise angeben kann. Krämers Satz dazu auf ist voller Fehler: „Die Bezirke Akko und Nablus (mittlerweile in Balqa umbenannt) zählten zur Provinz Sidon, ab 1888 zur neugebildeten Provinz Beirut, die Bezirke östlich des Jordans zur Provinz Damaskus“ (57) – dass das östlich des Jordans gelegene Balqāʾ gleichzeitig zu Ṣaidāʾ (die Provinz wurde nie umbenannt, wenn auch die Hauptstadt gewechselt hat) und aš-Šām (Damaskus) gehörte, ist krämersche Erfindung. B.D.: Ajlun und Lajjun ± 1750 vereint, Hauptstadt: Jenin ± 1800 Name Lajjun -> Jenin (offiz. Einteilung kann von der fiskal. differeieren) ab 1723 stabil // Saida seit 166x, A u. B. waren mal de facto Haupstädte S. 117 schreibt sie: „In administrativer Hinsicht war [der Jabal Nablus] von der osmanischen Eroberung bis 1849/50 mit kurzen Unterbrechungen Teil der Provinz Damaskus, wurde dann der Provinz Sidon zugeschlagen und gehörte schließlich von 1887/88 bis 1918 zur Provinz Beirut, war also stets nach Norden ausgerichtet.“ – Genaugenommen gehörte es zuerst ein paar Jahre lang zu Arabistan, das dann in Ḥaleb und aš-Šām geteilt wurde, 1702 bis Februar 1705 gehörte es zu Ṭrablus, bis 1710 wohl zu Ṣaidāʾ, laut Cohen war es danach Damaskus zugeordnet (genau wie Krämer S. 57 schreibt, aber offensichtlich, ohne sich dabei etwas gedacht zu haben): offiziell Teil der Provinz Ṣaidāʾ, aber dem Wālī von Damaskus in Personalunion anvertraut; laut Schölch gehörte es 1866-68 zu Jerusalem. f) Im Gegensatz zur Karte bei Schölch erkennt man nicht, dass die Bezirke Lāḏaqīyq, Ṭarābulus, Ḥamā, Dimašq, Ḥaurān, Bairūt, ʿAkkā, Nābulus und Balqāʾ die Provinz aš-Šām bildeten, Südpalästina und der Ǧabal Lubnān aber reichsunmittelbar waren. (Auch Schölchs Nachfolger in Erlangen benutzt diese Karte gelegentlich, aber seine „Major trading networks in Syria in the second half of the 18th century“, hat auch „coastal Shipping“ und Überseedampferrouten.) Die Karte S. 101 „Geographische Gliederung Plästinas“ ist ein Witz: statt einer Reliefkarte eine Kinderzeichnung mit Hügelchen. Wieso gibt es darin „Samaria“ (viel zu weit westlich), aber keinen Ǧabal Nābulus, wieso gibt es Hebron, nicht Ḫalīl, wieso Beersheva und Biʾr aš-Šabʿ, wieso ist der Ḥūlē-See eingezeichnet aber der Zustand nach der Trockenlegung bezeichnet („Hule-Becken“). Wenn Hermon und Arnon nicht zur Geographie gehört, wieso dann der Jabok? Die Karte S. 121 ist eine getreue Eindeutschung der „Karte 3: Die Verwaltungsbezirke von Syrien und Palästina am Vorabend des Ersten Weltkrieges“ aus Palästina im Umbruch ohne jede Quellenangabe. Und typisches Durcheinander: „Vilayet von Beirut“ aber „Provinz Libanon“ – wieso nicht Provinz Bairut? Schließlich erklärt die Autorin auf S. 57, dass arab wilaya/türk. vilayet (in Wirklichkeit meist eyālet, auch paşalık) Provinz heiße – auch dort schwankt sie für liwaʾ/sanjak zwischen Distrikt und Bezirk Und „«unabhängiger» Verwaltungsbezirk“ heißt auch nicht „sanjak, mutasarriflik“ sondern mustaqıllan idāre olunmaqdadır Die Karte S. 193 soll den „Vorderen Orient (1920)“ zeigen, zeigt aber den Groß-Libanon, Syrien, Palästina und Transjordanien schon als eigenständige Gebilde, obwohl es die 1920 noch nicht gab. Schlimm auch, dass das Buch auf S. 60 die Pilgerroute Aleppo-Kerak zeigt (leider nicht die von Kairo nach ʿAqaba) und auch noch ein Stückchen „Überseeroute“ nach Jaffa, aber weder erkennen lässt, dass die aus Damiette kommt, noch die vielen neuen Dampfschiffahrtslinien nach Jaffa, Haifa, Akko und Beirut. Ja, wenn man von den zehn Karten von Schölch nur zwei klaut, und auch sonst wenig über den Handel im 17. und das 18 Jh. gelesen hat, dann kommt man zu so unverschämten sich interessant-machen-wollenden In-Grab-Rülpsereien wie S. 112: „ob man, wie Alexander Schölch, von einem «Umbruch» sprechen soll, sei dahingestellt.“[6] Hierzu paar Zitate aus einem Artikel, den sie – ohne Seitenangabe – als Beleg für „Zuwanderung von Notabelnfamilien aus dem benachbarten arabischen Raum“ (114) anführt, zu der dieser Artikel – im Gegensatz zu Schölchs Buch – aber nichts enthält: „What made the military achievement of the authorities irreversible [after the end of the Crimean War] were the structural changes which followed. .. clear shift of power … The control over the countryside by the cities, where government was centred, was dramatically strengthened as a by-product of centralization, modernization and integration into the world economy. The improvement of security and communication, privatization of means of production, the land, and the growing demand for agricultural produce were the main factors … formed a landmark in the process of transformation … By failing to adjust to the new realities, these families were marginalized as far as socio-political leadership was concerned. … The quick rise of merchant families in Gaza and Jaffa was made possible by the radical changes … The rural chiefs were the prime victims of the Tanẓīmāt. … The second group which lost power and influence as a result of centralization and modernization was that of the urban aghawāt …“ soviel zu Umbruch in ʿĀdel Mannāʿs Continuity and Change.
Die Klagemauer ist nicht das einzige Stück, das „von der herodianischen Umfassungsmauer erhalten geblieben war.“ (264) nicht einmal das einzige zugängliche (große Teile sind durch Gebäude „verstellt“) Zu Abb. 12 (S. 265): „Am linken Bildrand ist“ NICHT „die gegenüberliegende Mauer zu erkennen.“ SO schmal war die Gasse bis 1967 nicht. ![]() „Die Idee des Nationalismus begann Wurzeln zu schlagen, nahm gewissermaßen Fleisch an.” Die Autorin weiß wohl, dass es zwischen 1949 und 1951 in Ägypten keine „Reihe von Militärputschen“ gegeben hat, sie schreibt es aber (376). Dass der Oberste Muslime Rat „als Entsprechung der Jewish Agency als politische Vertretung der [Araber] gedacht war“ (260) stimmt nicht. Es war eine Vertretung der Araber geplant: Immer wieder wurde versucht, sie zur Teilnahme an einem Legislativrat zu überreden (der jedoch entweder wenig Macht haben sollte, oder in dem Briten und Juden zusammen die Araber überstimmen konnten). Im Oktober 1923 versuchte der Gouverneur eine Arabische Agentur einzurichten (Porath I 175ff.). De facto war bis 1927 die Arabische Exekutive, der landesweite Zusammenschluß der Notabeln mit einer überrepräsentativen christlichen Anteil die Vertretung der Araber. Gedankenlos und ängstlich Viel ließe sich über die Endnoten sagen. Das erste Mal blätterte ich nach hinten bei „ins Arabische, wo es als «Filastin» erschien.8“ Hinten geht es aber überhaupt nicht um Filastin, sondern um hebräische, bibel-griechische und talmud-aramäische Bezeichnungen, die im Text gar nicht vorkommen. Statt Ausführungen zu der Sache, die mich interessiert, bekomme ich Marginales, für das im Text kein Platz war. Wenn ich nur kurz mit den Augen nach unten springe und feststelle Fehlanzeige, ist das o.k., so empfinde ich es als Unverschämtheit gegenüber dem Leser. Da das Buch keine Fußnoten, sondern (für jedes Kapitel neu bei 1 anfangende) Endnoten hat und viele nichts mit den Stellen zu tun hat, von denen auf sie verwiesen wurde, habe ich das Nachblättern schnell aufgegeben. Aber jedes Mal fand ich Merkwürdiges: S. 192 schreibt Krämer lahum ma lana wa-ʿalaihim ma ʿalaina sei „eine aus der islamischen Rechtstradition stammende Formel“; der Fußnote entnehmen wir, dass sie einer Formel der ägyptischen Wafd gleiche. Da es sich bei der Wafd um eine überkonfessionelle bürgerliche Partei handelt, sieht es nach Lüge aus. Typisch die geschwätzige Übersetzung: „ihnen soll zukommen, was uns zukommt, und sie sollen die Lasten tragen, die wir tragen, d.h. gleiche Rechte, gleiche Pflichten“. Interessanterweise entgeht Gudrun Krämer die feine Diskriminierung: Wie der angeblich anti-rassistische Spruch Der Frömmste soll Kalif sein, selbst wenn es ein Schwarzer wäre, die Minderwertigkeit der Schwarzen voraussetzt, so setzt die Unterscheidung zwischen uns und ihnen zuerst UNS, die Muslime, als die eigentlichen Bürger, mit denen die andern gnädig gleichgesetzt werden. In der Note wäre genug Platz für die Analyse gewesen. Ein Palästina-Experte berichtete mir, daß man ihren Noten ansieht, daß sie mit der Literatur nicht vertraut ist. Selbst dort, wo alles richtig ist, gibt sie oft abwegige Belege: die frühesten, wichtigsten, besten Quellen scheint sie nicht zu kennen. Typisch für die gedankenlose Art der Autorin: „Hingegen ist eine «Enteignung» …, von denen in der Literatur wiederholt die Rede ist … nicht nachgewiesen.12“ (103) und hinten drei Stellenangaben – aber handelte es sich hier um die Enteignungs-Literatur und um Stellen, die die Nachweis nicht bringen? Die Schwierigkeiten, die sie mit Palästina hat, beschreibt sie treffend: „Die Perspektive ist in unserem Fall eindeutig geprägt durch biblisch-historische Assoziationen … Die Perspektive aber ist verzerrt, und diese Verzerrung prägt die Darstellung von Land und Leuten und ihrer Geschichte insgesamt: Sie blickt mit der Schrift auf das Land, identifiziert Palästina mit dem « Land der Bibel », rückt dementsprechend die Juden in den Mittelpunkt der Betrachtung und drängt alle anderen Bevölkerungsgruppen und seien sie zu einem gegebenen Zeitpunkt auch die Mehrheit in den Hintergrund, wenn man sie denn überhaupt beachtet. … Die « biblische » Sicht ist die dominante, und sie war und ist die geschichtsmächtigste.“ (P 12) „Zu klären sind in unserem Zusammenhang daher neben Bezeichnungen wie « Kanaan », und natürlich « Palästina » selbst auch « Eretz Israel » sowie « Gelobtes …Land »“ (13) [die kursiven Teile kann man getrost weglassen] Wirklich zu klären ist nichts. Sowohl der Name wie die Grenzen des Landes sind völlig klar. Dass man sich bei Darstellung der Geschichte nicht auf das Gebiet innerhalb der Grenzen des Mandats beschränken darf, versteht sich, zum einen, weil die Gebiete drumherum auf Palästina wirkten, zum andern, weil die jeweiligen Verwaltungsbezirke und Einflusssphären sich nicht an die späteren Grenzen hielten. Das ist aber nicht vorweg zu „klären“ sondern in der jeweiligen Situation darzustellen. So bestanden in der Tat meist starke Beziehungen zwischen Galiläa und dem heutigen Südlibanon. Oft waren die Beziehungen Akkos nach Tyr/Sur intensiver als die nach Ramle oder Jerusalem. Das heißt bei Krämer: „Im Norden waren Teile des heutigen Libanon bis hin zum Litani-Fluß [über längere Zeiträume] einbezogen“ (11); genauso richtig wäre aber auch: Der Norden gehörte oft nicht dazu, weder zum omayyadischen Bezirk Filastin, der von Ramle aus verwaltet wurde, noch zum osmanischen (Konstantinopel direkt unterstellten) Bezirk Jerusalem. Es kam auch vor, dass für die Wollsteuer Palästina ein Bezirk war und für die Grundsteuer drei verschiedene. Statt je einzeln zu berichten, etwa für die 1920er, dass der Norden auf den Notabelnkonferenzen dünn vertreten war, gibt uns Krämer Nachhilfe in biblischer Namenslehre. Auf den ersten Blick wirken 15 Seiten Bibliographie beeindruckend. Doch enthält sie keine türkischen oder hebräischen, keine französischen oder russischen Texte. 20% befassen sich mit der Bibel und der Antike. Vermutlich hat sie viele Titel aus anderen Bibliographien abgeschrieben; zumindest eines der aufgeführten Bücher gibt es gar nicht (Spyrodon, S. N. (Hg.) 1938: Annals of Palestine, 1823-1941, Jerusalem) sie zitiert aber daraus. Krämer lässt sich als „intimste Kennerin der Region“ und das Buch als „brillante Darstellung“ vermarkten – beides weit von der Wahrheit. Kein Mensch, der mit offenen Augen durch Jerusalem gegangen ist, würde schreiben, dass „von der Umfassungsmauer des herodianischen Tempel [nur die Klagemauer] erhalten geblieben war“ (P 264) vielmehr gibt es 170 Meter weiter nördlich ein 17,7m langes Stück, das nicht durch Gebäude verstellt íst, haKotel haQatan genannt. Kabbalisten beten hier um Mitternacht Tikkun Hazot. Und seit 30 Jahren beten dort viele jüdischen Siedlern des muslimischen Viertels am Schabbath. Throughout the generations since the Temple’s destruction, the Western Wall was the remnant closest to the site of the Temple’s Holy of Holies that was accessible to Jews. The exposed, outdoor section of the Western Wall is just a small part of the whole Wall. The entire length of the Western Wall, however, is actually 488 meters (1,600 feet) long! http://english.thekotel.org/content.aspöid=212: Despite the destruction that took place, all four Temple Mount support walls remained standing. Throughout the generations since the Temple’s destruction, the Western Wall was the remnant closest to the site of the Temple’s Holy of Holies that was accessible to Jews. The exposed, outdoor section of the Western Wall is just a small part of the whole Wall. The part of the Western Wall that we see at the Prayer Plaza is 57 meters (187 feet) long. The entire length of the Western Wall, however, is actually 488 meters (1,600 feet) long! Where is the remaining part of the Western Wall? The first approximately 80 meters (262 feet) on the southern end were uncovered immediately after the Six Day War and can be seen at the Southern Excavations. The The Rishon LeZion, Rav Shlomo Amar Visits the Old City ...of Jerusalem today. Together with Rav Shmuel Rabinowitz, the Rabbi of the Western Wall and Holy Sites, and Shlomo Raanan, police commander of the unit for holy sites, he visited the area of the small Western Wall. This was in order to personally study the issue raised by residents of the Old City who requested to increase prayer services there. To learn more about The small... falsches Arabisch Diesem Werk kann niemand entnehmen, ob ein arabischer Begriff Plural oder Singular bezeichnet: „Clans (hamula)“ (62 + 333), „die Kommandanten (qaʾid al-fasil)“, „…gremien (majlis)“ sind falsch. Bei „Schwestern (rafiqat)“ (322) hat sie den Plural hingekriegt, aber Schwestern trifft es nicht, richtiger: Genossinnen, Kameradinnen, Weggefährtinnen; richtig ferner: „Märtyrer (shuhadaʾ)“ (322), „den Engländern (al-inkliliz)“ (315). falsches Deutsch Dass der bestimmte Artikel eine Funktion hat, weißt sie nicht; die Hagana räumte nicht „die arabischen Wohnviertel Jerusalems“ (364), sondern (einige/die meisten) Wohnviertel, keineswegs alle arabischen – es gab übrigens auch ein paar gemischte Viertel. – Sie kann auch kein Deutsch: „eine Armee räumt“ bedeut nämlich: sie verlässt ein Gebiet, gibt es auf. Hier ist aber „ethnisch säubern, die Araber vertreiben“ gemeint – hat Krämer „araberrein machen“ gedacht und „aufräumen“ schreiben wollen? Wenn es für ein solches Sachbuch fünf Sternen gibt – je einen, wenn es [1] Geschichte des Islam, das neueste Buch aus dem C.H.Beck-Verlag der Fernsehprofessorin, S. 207: Pfründe [2] «unislamische» Steuern (pl. mukus, wörtlich Schaden, Betrug) GdI 81 – Quatsch, es heißt: Zoll, Abgabe, Steuer, vgl. EI2 (Hebräisch, Aramäisch) [3] GdI 191 ist das zeitlich korrigiert, dafür verlegt sie aber Ceuta auf die Atlantikseite = auf den Weg um Afrika [4] In GdI anders falsch: Annektion „1908/09“ statt 5.10.1908 und sie verschweigt die de facto Verwaltung davor [5] „in Syrien und Palästina traten noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts rivalisierende Clans als Qays und Yaman auf.“ (GdI 54) – Ich weiß es für das 8., für das 18. und 19. Jahrhundert. Ob es wie Krämers Zusammenhang und „noch“ nehelegen auch für die Zeit dazwischen galt? [6] GdI 263 spricht sie von Umbruch |
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