Saids Buch dient emblematisch als Ausweis der rechten (d.h. einer vag gutmenschlichen, 3.Welt-freundlichen) Gesinnung. Es hat Geschichte gemacht. Dadurch werden seine Aussagen nicht richtiger. Obwohl es sich vor allem um PLO-Propaganda handelt, ist es auch eine Anklageschrift gegen die Islamwissenschaft, zu deren Verteidigung ich hier einiges bringe, ohne zu richten. Orientalisten, die vor Said Kratzfüße machen, haben entweder ein schlechtes Gewissen, sind dem Postmodernismus verfallen oder sind Masochisten – oder haben ihr Gehirn an der Garderobe abgegeben.
Für einen ersten Eindruck von diesem Meister des Ungefähren klicken Sie auf Definitionen oder schauen sich die Liste seiner Lieblingswörter an:

Said wirft der Orientalistik vor, ein für alle Mal zwischen Ost und West zu unterscheiden.
Said und S.S. machen genau das. Said versucht Becker lächerlich zu machen: Becker argued that „Islam“ (note the vast generality) inherited the Hellenic tradition. (p. 103)
Ed. Said schreibt: Islam ruled (p. 59), was – im Gegensatz zu Becker, der ganz klar die islamische Zivilisation um 800 A.D. meint – großer Quatsch ist.


J S F Parker (ein Said-Kritiker) stellt fest, daß Said seine Gegner verteufelt (making it sinister): „Perhaps the best example of this is the treatment given to Barthémemy d'Herbelot's Biblothéque orientale published in 1697, which is said to demonstrate „a triumphant technique for taking the immense fecundity of the Orient and making it systematically, even alphabetically, knowable by Western laymen“ (p. 65). The placing (italics his) of Muhammad within the „rational Oriental panorama“ becomes a characteristic manifestation of that intellectual power which the book is all about; „the dangers of free-wheeling heresy are removed when it is transformed into ideologically explicit matter for an alphabetical item.“ D'Herbelot „imposes a disciplinary order upon the material he has worked on; in addition, he wants it made clear to the reader that what the printed page delivers is an ordered, disciplined judgement of the material“ (p. 66). Surely these are essential procedures in any scholarly enterpriseß The reader may reflect that the genre of encyclopaedic compilation was not exactly unknown in Islamic societies, and wonder why d'Herbelot should be a more portentous figure than this Ottoman near-contempory Haci Halife.“ Sicher wusste Said, dass französische Denker auch das Abendland alphabetisch in den Griff bekommen wollten, sicher wusste er nichts über die arabischen Summen. Aber als Enkel arabischer Großmütter braucht er das nicht zu studieren, um darüber autoritativ schreiben zu können.

Said behauptet, er sei nur an der Intertextualität der Orientalisten interessiert, ihr Diskurs habe eh nur mit sich selbst zu tun, nicht mit dem vorgeblichen Gegenstand ((wie kann er dann zur Herrschaftssicherung dienenßß)). Wenn zwei das gleiche schreiben, ist es für ihn Beleg, dass sie Klischees bedienen, topoi benutzen. Dass es ähnlich ist, weil es sich auf eine gleiche Realität bezieht, darf bei ihm gar nicht gedacht werden. Dessen ungeachtet wirft er Chateaubriand vor, die „etymological meaning [von Bethlehem] completely wrong“ (p. 172) wiederzugeben. Pikanterweise ist es Said, der semitische Sprachen nie studiert hat, der völlig falsch liegt.
Viel besser, und viel ausführlicher nachzulesen bei den Said-Kritikern. So viel Said-Kritk nur wegen eines unbedachten Einleitungssatzesß
Nicht nur. Sabine Schmidtke hat auch sein Erfolgsrezept kopiert:
Auch sie schreibt über ihre Stamm-Kultur ohne sie überhaupt studiert zu haben.
Auch sie beschränkt sich auf einen kleinen untypischen Kreis und gibt die für alle aus.
Auch sie mischt munter völlig unterschiedliches.
Auch sie geht von einer unwandelbaren Grenze zwischen Europa und Arabo-Islamien aus (und einer zwischen Homo- und Heterosexuellen) Und so wie Saids Behauptung der Nahe Osten sei über Jahrtausende Europas „Other“ gewesen, und übersieht, dass den staatstragenden Kreisen Englands Iren, Katholiken, Methodists, Levers, Spanien mindestens ebenso Anders waren, dass für die Dänen der Balkan in Hamburg, für die Hamburger in Hessen, für die Brandenburgeer in Schlesien anfing, übersieht S.S. dass Italien für Goethe das Land war, wo er Sinnlichkeit ausleben konnte, dass Spanien (Carmen) und Italien (Casanova) in Frankreich für l'amore standen, dass über 200 Jahre Engländer Neapel der Knaben wegen aufsuchten. Sollte sie die Rolle Capris und Siziliens im „imaginaire des invertis“ nicht kennen, oder versucht sie uns zu belügenß
Wahrscheinlich nichts davon. Vielmehr ist ihr Artikel eine kunstvolle Kritik an Saids Buch. Indem sie es nachahmt, will sie es der Lächerlichkeit preisgeben.