Schmidtkes Aussagen bzw. Wörter

zur Sprache

zum Inhalt

Die westliche Darstellung Marokkos

Dr. Sabine behandelt nur einen kleinen Ausschnitt der westl. Darstellung, bringt aber östl. Darstellung und Darstellung von Außermarokkanischem. Ihr "Westen" besteht aus nur wenigen Leuten, aus wenigen Ländern. – Klicken Sie für fehlende Werke von Westlern. Ihre Darstellung ignoriert Gemälde, Photo, Spielfilm, Dokufilme, Porno-Video, Postkarte, Plakat, Zeitung und Homo-Zeitschrift (von Anzeigen ganz zu schweigen). Schließlich bietet sie keine vergleichende Perspektive. Zum Ausgleich streut die Autorin Namen von Leuten dazwischen, die halt mal in Marokko waren, es aber nicht dargestellt haben – zumindest führt sie weder im Text noch in den Noten Veröffentlichungen an, nicht mal Postkarten an Freunde.

als Landschaft

Im Artikel fand ich keine einzige Landschaftsbeschreibung.

freier

Es handelt sich um gekauften Sex, um un-freien Sex.
Den anderen Sinn, den „freie Homosexualität“ haben könnte – daß sie nicht in der Minderheit der Homosexuellen eingesperrt ist, sondern zwischen allen sexuellen Wesen frei schwebt: free floating vs. reified hs.ty – sucht frau vergebens in dem Artikel.

Homoerotik

Es geht um Sex – nicht um Erotik. Es geht auch nur um Sex zwischen Männlichen, obwohl nach dem Titel auch die Dar­stel­lung zwischenweiblicher Erotik abgehandelt werden müsste.

für Eilige: zum 2. Teil : gute Orientalisten
Oder gleich zum 3. Teil: begeisterte Homosexuelle
Und hier geht es zu bösen Orientalisten und der morgenl. Wirklichkeit
Und dann zurück zu abendländischen GeschlechtsVorstellungen
Und zum Schluss nach Tanger
Oder hübsch der Reihe nach:

Said prägte den Begriff "Orientalismus" ...

Seit 1768 ist der Begriff in Deutsch und Englisch belegt.
Warum diese Verbeugung vor dem US-amerik. PLO-Propagandisten Schlimmes fürchten lässt.

... für die abendländische* Darstellung des islam. Kulturraums.

S.S.'s' „abendländisch-westlich“ ist doppelgemoppelt – deshalb habe ich es „still schweigend“ gejürzt.

Ein konstantes Motiv derselben ist die Vorstellung vom Islam als einer Religion ausgeprägter Sinnlichkeit*.

S.S. hat ausgeprägter Sinnlichkeit und Wollust

Darum ...

Schmidtke tut deduktiv. Es kommt aber keine Folgerung aus dem Vorgenannten, sondern nur ein Beispiel dafür.

stand im Mittelpunkt der Präsentation des Orients über Jahrhunderte* die exotische* Institution des Harems

S.S. hat „über Jahrhunderte immer wieder“ – S.S. hat „exotisch anmutende“


[zum Anfang der Seite]

Der Harem ist verschlossen. Darum regte er die erotischen Phantasien vieler* Reisender* an

S.S. hat „zahlloser“ – S.S. hat nicht „Reisende (Burton, Delacroisx) und Dagebliebene (Goethe, May, Brockelmann)“ oder „Wissenschaftler, Politiker und Künstler“, sondern Äpfel und Käse: „Reisende, Schriftsteller und Künstler (womit sie Maler meint)“

und musste als literarisches Topos herhalten

der bedauernswerte Harem

Die Fußnote hierzu ist typisch für die Arbeit insgesamt: Die pauschal (d.h. ohne Angabe der einschlägigen Seiten) angeführten "Belege" belegen gerade nicht ihre Behauptung, und die Artikel, die eher in ihre Richtung gehen, fehlen. In den angegebenen Artikeln von Behadad und Harnsch finde ich sogar das Gegenteil: der Harem als Allegorie für Kritisierenswertes in der eigenen Gesellschaft. Eher in S.S.'s Richtung geht: Neil Macmaster, Orientalism: From unveiling to hyperveiling; Journal of European Studies. 28, no. 1-2, (1998): pp. 121ff.; darin wird nicht der Harem sondern der Komplex Schleier/ḥarem/ḥammām ins Zentrum gerückt. Befremdlicherweise hängt S.S. fünf Stellen an, die gar nichts mit dem Harem als Allegorie zu tun haben, sondern mit Tribadie im Harem. Bezeichnenderweise macht S.S, sogar auf ureigenem Terrain Fehler: Bullough behandelt Haremstribadie nicht „S. 231-32“, sondern nur in zwei nichtssagenden Sätzlein auf S. 231.
In den Noten fehlt eine wichtige Arbeit, die sowohl Said wie S.S. zurechtrückt vielleicht nur, weil sie S.S. noch nicht bekannt war: Lisa Lowe:
Rereadings in Orientalism: Oriental Inventions and Inventions of the Orient in Montesquieu's Lettres Persanes
in Cultural Critique. no. 15, (Spring 1990). pp. 115-144

und als Allegorie des Orients* insgesamt*.

S.S. hat "als Topos als Allegorie" – S.S. meint aber nicht den Orient insgesamt, d.h. ganz Asien, sondern den Orient schlechthin.

Der Orient wird als Ort sinnlicher Wollust* präsentiert.

beachtlich die sprachliche Abwechslung zu „Sinnlichkeit und Wollust“.

Dazu gehört auch die Vorstellung von der extrem weiten Verbreitung gleichgeschlechtlicher Sexualpraktiken.

[zum Anfang der Seite]

Die mittelalterliche christl. Polemik stellte den Islam als von Grund auf unsittlich und die Muslime als lasterhaft dar.*

S.S. hat „Polemik zielte darauf ab, Islam darzustellen.“ Polemiker können versuchen, beim Adressaten, Ekel hervorzurufen. Eine Darstellung als etwas ist eine Darstellung und zielt nicht ab.

Als Quelle gibt S.S. Boswell, Christianity S. 278-283 an. Auf S. 278 gibt es dazu gar nichts. Auf S. 279 gibt es genau das Gegenteil zu S.S.'s Darstellung: „Serious early polemics against Islam had sometimes crtizied Muslim practices but did not focus on Islamic tolerance to homosexuality. From the times of the first crusade, however, accounts of Muslim sexual mores ... A few writers attempted to distinguishe between the more familiar Muslims of Western areas like Sicily and Spain and those of the Middle East by suggesting that the climate of the torrid Middle East affected the morals of those who lived there. Jacques de Vitry, for example, claimed that ‚in the East, especially in hot regions ...‘“
Nichts von „von Grund auf“, kein „konstantes Motiv“.

Diese Polemik prägte* diese Vorstellungen (wohl Harem und extrem weite Verbreitung)

S.S. hat „prägte maßgeblich“

indem sie den Islam als hemmungslos genusssüchtig darstellte.

In der mittelalterl. Vorstellung waren Sodomie, Effemination und Besessenheit* verknüpft.

S.S. hat „Dämonisierung“; der machten sich aber die Hetzer, nicht die Effeminierten schuldig.

völlig unbelegt

[zum Anfang der Seite]

Aufgrund dieser Ideenverbindung eignete sich* der Vorwurf, der Koran* toleriere homosexuelle Praktiken, zur Diffamierung des Gegners.

S.S. hat „besonders“ – S.S. hat „der Koran selbst“

Es wurden Horrorgeschichten über gleichgeschlechtliche Sexualpraktiken von Orientalen in Umlauf gebracht.

S.S. hat „orientalische Sexualpraktiken“ – Sollte sie das meinen?

Diese dienten zur Untermauerung der Polemik*.

Es handelt sich doch wohl eher um Diffamierung, Anschwärzung, Verleumdung, Diskreditierung, und diese werden – im Unterschied zu Argumentationen – nicht untermauert.

In einem von Kreuzzugspropagandisten gefälschten Hilfegesucht des byz. Kaisers

S.S. hat: „In einem dem byz. Kaiser Alexios I. Kommenos (1081-1118) zugeschriebenen Gesuch um militärische Hilfe gegen die vordringenden Seldschuken – eine Fälschung, wie heute bekannt ist, die in der Zeit vor dem 1. Kreuzzug im Westen in Umlauf gesetzt wurde.“ Sie weiß nicht, dass „zuschreiben“ nicht „unterschieben, fälschlich zuschreiben“ bedeutet.

wird beschrieben*, wie die Sarazenen nicht nur Frauen in Massen* vergewaltigten, sondern* – schlimmer noch – Männer jeden Alters und Ranges ...

S.S. hat "wird etwa beschrieben". – Muslime begehren christl. Knaben als Sexualobjekte. – Es heißt: "nicht nur, sondern auch" oder "nicht nur, sondern selbst" ("oder nicht, sondern" = also keine Frauen, sondern Männer). So aber ist's kein Deutsch. "in Massen" ist Zugabe von S.S.

Häufig* entführen sie zahllose* christl. Knaben.

häufig und zahllose

Dies machten christl. Abendländer als besondere Bedrohung aus.

S.S. scheint nicht zu wissen, dass; "ausmachen" "ausspähen, rekognoszieren, erkunden, auskundschaften, aufklären" heißt und nicht "unterschieben, fälschlich zuschreiben".

[zum Anfang der Seite]

Im Zuge der Aufklärung wich das mittelalterl. Orientbild einer um Objektivität bemühten neutraleren Haltung gegenüber dem Islam.

Das ist dem Anti-Materialisten Said würdige Blindheit für nicht rein geistige Gründe. Vielleicht hat die neutralere Haltung mehr mit dem Ende der Türkengefahr zu tun als mit einer neuen Philosophie. Als Überlegener kann man gut neutral, ja sogar freundlich sein.

Aber Sexualität* besonders Homosexualität blieb relativ unverändert.

S.S. hat "der Bereich der Sexualität"

Das Stigma der Sinnlichkeit und der weiten Verbreitung von gleichgeschlechtlichen Sexualpraktiken haftet dem Orient weiterhin unverändert an. Dass sich diese Vorstellung bis in die Gegenwart gehalten hat, lässt sich etwa an Vern L. Bullough 1976 erschienen Buch Sexual Variance in Society and History ablesen, in dem der Autor ein Bild vom Islam als “sex-positive religion” zeichnet, das ganz in der Tradition des christl.-abendl. Islambildes des Mittelalters steht.

weiterhin haftet unverändert an – etwas viel

Nicht sehr wahrscheinlich, dass das sex-positive Islambild direkt auf mittelalterl. Polemiken zurückgeht. Inzwischen hatte nämlich ein Araber ein weitbeachtetes Buch geschrieben, in der er genau die Sex-positiv-These vertrat: Abdelwahab Bouhdiba: Islam et Sexualité Lille 1973. = La sexualité en Islam, Paris: Presse Universitaire 1975. – übersetzt von Alan Sheridan: Sexuality in Islam, London: Routledge and Kegan Paul 1985 und als Taschenbuch London: Saqi, May 1998 – bemerkenswert auch sein La societé maghrebine face à la question sexuelle, Paris: Seuil 1984. und seine Studie über Kinderprostitution.
Wechselt die Autorin zwischen Sexual-Praktiken und Sexualität, weil sie das für sprachl. schöner hält, oder denkt sie sich etwas dabei?


Weiter geht’s zum zweiten Teil