Die Unverbesserliche faselt von "freier Homoerotik", obwohl es
a) nur um mann-männlichen Sex geht,
b) es an keiner Stelle um Erotik, sondern immer um Sex geht,
c) es durchgehend um bezahlten – nicht um freien – Sex geht.

Trotz des Marokkos verheißenden Titels dilettiert die Unverbesserliche in großen Teilen des Artikels zu männliche Homosexualität in Europa
– komischerweise aber nicht über europäische Prostitution oder Sextourismus in anderen Gegenden der ärmeren Welt.
Obwohl es um die westliche Darstellung bzw. Konstruktion geht, übergeht sie nicht nur die reichhaltige (unterhaltende, pornographische, wissenschaftliche, rapportierende) Literatur über Stricher in Nord- und – schlimmer noch – in Südeuropa (welches zu der Zeit, aus der viele der zitierten Werke über Nordafrika stammen, für Nordeuropäer ähnlich exotisch war). Die lange Hinleitung scheint dem Vergleich und der Einordnung der marokkanischen Erotik und deren Darstellung bzw. Konstruktion zu dienen, leistet aber beides nicht, da nur Unpassendes, d.h. zum Vergleich Ungeeignestes, ausgebreitet wird.

Obwohl es angeblich um die westl. Konstruktion geht, handelt die Unverbesserlichen auch von Darstellungen durch Einheimische, ja sogar von der "islamischen" Realität (SS. 386-89, 394, 407-11)
Trotz der Überschrift geht es in dem Artikel eigentlich um wirkliche mann-männliche Sexualität. Da die Autorin selbst aber nicht geforscht hat (was ganz direkt durchaus möglich ist, und vermittelt über die AIDS-Hilfe sogar leicht zu bewerkstelligen), stützt sie sich auf einheimische Literaten (SS. 402-7) und Orientalisten (SS. 386ff.). Die in Zeitschriften, Büchern und Dokufilmen veröffentlichen Reportagen nimmt sie nicht zur Kenntnis.
Sie zeigt nicht, wie die Tanger Boys eine andere Landschaft konstruieren (zu schweigen von einer freien).