Die nordische Rasse gibt es – unabhängig von ihren Ideologen – sowenig wie es Homos­exualität gibt: erst die begriff­lichen Konstrukte bringen sie hervor.
Gewiss, es gibt blond­haarige, blau­äugige, hell­häutige Menschen. Und bei vielen Tierarten und Völkern gibt es Körper­kontakte zwischen Personen des gleichen biologischen Geschlechts, bei denen die Fort­pflanzungs­organe von Belang sind.
Kein Wissenschaftler hält den Cherusker Hermann für deutsch und Vernünftige zucken bei „Deutschtum in Namibia, Michigan und Kasachstan“ zusammen. Doch immer wieder schreiben promovierte Leute über „Homo­sexua­lität“, als ob dem Wort ein Begriff zugeordnet sei.
So wie ein Gedicht von Celan deutsch ist, so ist eine (geschlecht­liche) Beziehung zwischen zwei Personen des gleichen Geschlecht homosexuell(-sexuell). Ob aber Celan und Dürrematt Deutsche sind, ist so fraglich wie, ob Sokrates und Wilde Homo­sexuelle sind. Auch wenn Judentum und Judenheit nicht mal von Akademikern auseinanderhalten werden, so sind sie wenigstens begrifflich geschieden, d.h. bei nachdenken sieht jeder Denkende den Fehler, wenn man sie nicht auseinander hält. „Homo­sexualität“ aber steht für alles und jedes:

1.) für eine (innere) Eigenschaft einer Person,

2.) für ein Tun zwischen Personen des gleichen biologischen Geschlechts,

3.) für sexuelle Erregung angesichts einer Person des gleichen biologischen Geschlechts oder gedank­lichen Vorspiegelung einer solchen (und damit zusammen­hängendes autosexuelles Tun).

4.) für eine gesellschaft­liche Rolle, die eine Person annimmt,

5.) für ein Ensemble von Rollen, die die Gesellschaft anbietet, die damit verbundenen Einrichtungen, einen gesellschaftlichen Diskurs über Sexualität, Intimität, Liebe, Verbrechen, Sünde, Krankheit und Selbstverwirklichung,

6.) für sexuelle Identitäten.

Betrachten wir die Dinge genauer:

1a) „Homosexualität“ bezeichnet eine Fähigkeit, mit der jeder Mensch geboren ist, einen Teil der ursprünglichen Ambisexua­litität. Freud und andere gehen davon aus, dass jeder Mensch die Anlage hat, mit Personen des eigenen Geschlechts Lust zu empfinden, Personen des eigenen Geschlechts sexuell zu begehren.

1b) „Homo­sexualität“ bezeichnet ein sexuelles Verlangen bestimmter sozia­lisierter (Jugend­licher und) Erwachsener nach Personen des eigenen Geschlechts, ob ausgelebt oder nicht (latente Homosexualität). Kann im Sport, in der Kultur ... sublimiert werden.
α mensch ist sich seiner (nicht genital ausgelebten) Homo­sexualität bewusst.
β mensch ist sich seiner Homosexualität nicht bewusst.

1c) „Homosexualität“ bezeichnet die Lust auf Personen des gleichen Geschlechts, eine Lust, die jeder gesunde Mensch bisweilen empfindet.

1d) „Homo­sexualität“ bezeichnet die eine Neigung/„Orientierung“ eines „Bisexuellen“. (Im Unterschied zu 1a ist sie schon psychologisch ausgebildet, gesellschaft­lich, kulturell geformt – muss aber nicht unbedingt ausgelebt sein. „XY entdeckte seine Homo­sexualität.“ Homo­sexualität ist hier eine Art Charakterzug.)

1e) „Homo­sexualität“ bezeichnet die sexuelle Vorliebe/ Neigung/ Präferenz/ „Orientierung“ eines manifesten „Homosexuellen“ – aber nur insoweit, welchem Geschlecht, die Objekte der Begierde angehören: ob sie blond oder schwarz, groß oder klein, dick oder dünn, intellektuell oder kreativ sein sollen, wird genauso ausgeklammert, wie die Art der „Beziehung“ (Verliebtheit, Quasieehe, anonymer Sex) wie der präferierte Ort (Pissoir, Sauna, Schaukel, Bett). Seit 1935 standen in Deutschland alle sexuellen Handlungen zwischen männlichen Personen unter Strafe; solange der Staats­anwalt keinen Unter­schied machte zwischen einem Pärchen, das in den eigenen vier Wänden zur Sache kam, und einem, der kleine Jungs im Schwimmbad verführte oder einem, der Männer nicht in Frieden pinkeln ließ, aggregierte die staatliche Verfolgung Heterogenes, es wuchs zusammen, was nicht zusammen gehört. Doch heute „Orien­tierung“ auf die Frage „Penis oder Vagina“ zu reduzieren, will mir nicht in den Kopf.

1f) „Homo­sexualität“ bezeichnet die Veranlagung/ Disposition/ condition eines genetisch/ hormonal fest­gestellten Homo­sexuellen. (Also nicht eine irgendwann erworbene, irgend­wann feststehende, sondern eine immer vorhandene (allenfalls irgendwann erkannte) Eigenschaft.)

1e/f) „Homo­sexualität“ bezeichnet die Prägung/„Trieb“richtung eines Homo­sexuellen (steht zwischen 1e und 1f).

1g) „Homosexualität“ bezeichnet ein Laster, eine schlechte Gewohnheit.

1h) „Homosexualität“ bezeichnet eine ansteckende (da zur Nach­ahmung führende) Krankheit (affliction).

1i )  An vielen Stamm­tischen, in vielen Stamm­hirnen und bei einigen tuntigen „Wissenschaftlern“ steht „Homosexualität“ nicht für eine abweichende Objekt­wahl, sondern für eine abweichende Geschlechts­rolle. Bei ihnen bezeichnet das Wort nicht primär eine anormale Sexualität sondern ein anormales Geschlecht (und eine daraus resultierende Sexualität). Die Erzväter dieser Anschauung, Ulrichs und Hirschfeld, sprachen konsequenter­weise von „Urning, Uranier, Drittem Geschlecht, sexuellen Zwischen­stufe“, von „weiblicher Seele in männlichen Körper“ und von „seelischen Zwittern“. Da sie sich als irgendwie weibliche Wesen nach männlichen Wesen sehnten, war der Begriff „Homosexualität“ geradezu widersinnig – extremer Heter­osexismus (die Anschauung: „alles Männliche sehnt sich nach Weib­lichen“) liegt ihrer Ansicht zugrunde: da sie sich nach Männlichem sehnen, sind sie weiblich.
Bei den modernen tuntigen Wissen­schaftlern Randy Trumbach und Dirck Linck liegt die Sache komplizierter: sie glauben, dass jeder Mann, der Männer begehrt oder sich mit ihnen einlässt, kein richtiger Mann ist, dass es also zu Sex zwischen zwei Vertretern des Dritten Geschlechts, zwischen zwei Weibmänner (voll­kommeneren Menschen) kommt. Hier ist die Homo­sexualität nicht mann-männlich und weib-weiblich, sondern weibmann-weibmännlich und mannweib-mannweiblich.

Die begriffliche Ineinssetzung von mann-männlcher Geschlechtlichkeit [„männlicher Homosexualität“] und Effemination (und von weib-weiblicher Geschlechticheit [„weiblicher Homo­sexualität“] und Mas­kulina­tion) machte den schwammigen Begriff nicht nur zu einer völligen Fehl­benennung, sondern wäre auch unlogisch: sie krankt nicht nur daran, dass entweder nur der mann vor dem Bindestrich wirklich männlich ist (und der dahinter ein wenig) oder beide kaum männlich, sondern auch an einem Denk­fehler: HomoSex und Tuntig­keit (Kerlig­keit bei den Lesben) hat so viel miteinander zu tun wie CricketSpielen und EngländerSein: Es kommt manchmal bei den gleichen Leuten vor, hat aber begrifflich nichts miteinander zu tun. In der HollywoodKomödie In or out erkennt man den Homo daran, dass er Barbra-Streisand-Platten hat. Trumbachs Dummheit wird zum Verbrechen, wenn er seine Privatgleichung Schwuler=Tunte in „wissenschaft­lichen“ Texten über „Homosexuelle“ nicht deklariert (oder konsequent nur von Tunten spräche), sondern den Leser im Glauben lässt, er schreibe über mann-männliche Sexualität wo es ihm doch um weibmann-weibmännliche geht. 

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2a) „Homosexualität“ bezeichnet die Gesamtheit der sexuellen Handlungen, Erregungen und Strebungen eines manifest Homosexuellen.

2b) „Homosexualität“ bezeichnet die Gesamtheit der gleichgeschlechtlichen sexuellen Handlungen in einer Institution, an einem Ort, in einer Gesellschaft („In US-Gefängnissen grassiert H.t“ „Im alten Griechenland spiele H. eine große Rolle“).

2c) „Homosexualität“ bezeichnet die Gesamtheit der sexuellen Handlungen zwischen Personen des gleichen biologischen Geschlechts – gleich, ob die Beteiligten diese wünschen, diese vorziehen, diese genießen. Dies schließt sexuelle Handlungen mit Kindern und Tieren des gleichen biologischen Geschlechts ein.

2d) „Homosexualität“ bezeichnet nur die sexuellen Handlungen, die der Geschlechtsrolle nicht entsprechen, also beim Manne die Handlungen, die einer Frau zukommen (bei der Frau die, die einem Mann zukommen).

Und als besonderes Schmankerl gibt es bei der unverbesserlichen Frau Doktor Schmidtke auch noch „aktive und passive Homosexualität“

3b/ 3c/ 3d parallel zu 2b/ 2c/ 3d – 3. ist eine zweifache Ausweitung des „sexuellen Tun zwischen Personen“: 

zum einen auf die sexuelle Erregung einer Person, die durch eine reale oder vorgestellte Person des gleichen biologischen Geschlechts ausgelöst wird, 

zum andern auf autosexuelles Tun, das einen solchen Erregungshintergrund hat. (3. musste von Homosexualitätsaposteln erfunden werden, um an der – in etwa gleich hohen – Allgemeinverbreitung der „Homosexualität“ zu verschiedenen Zeiten und bei verschiedenen Populationen angesichts widersprechenden Beobachtungsmaterials festhalten zu können; sie argumentieren: In manchen Gesellschaften kommt die eigentlich existierende Homosexualität nicht richtig zum Ausdruck, in anderen wird das Bild durch gesellschaftlich stimulierte Scheinhomosexualität unscharf.).

4a /4b/ 4c) „Homosexualität“ bezeichnet eine gesellschaftliche Rolle, die eine Person annimmt, ein Label, das ihm anhaftet, ein Skript, dem sie folgt.

5.) „Homosexualität“ bezeichnet ein Ensemble von Rollen, die die Gesellschaft anbietet, Leitbilder, Verhaltensmuster, Werte, Sanktionen, die sie bereit hält, und den Diskurs über Sexualität, Intimität, Liebe, Verbrechen, Sünde, Krankheit und Selbstverwirklichung, die gesellschaftliche Organisation von Fortpflanzung, Vererbung, Freundschaft, Intimität, insbesondere die Einrichtungen, die zur Befriedigung sinnlicher Bedürfnisse dienen (Schwimmbad, Bordell, Hammam, Bar, Café, Armee, Club, Internat, Tourismus, Kloster, Sport, Eckkneipe, Maulid, Karneval, überfüllter Bus, Taxi, Trapper, Parkanlagen, Bibliotheken, Kaufhäuser ...). („Die männliche H. im alten Griechenland war kein ...“)

6.) „Homosexualität“ bezeichnet eine „sexuelle Identität“, die Zugehörigkeit zu einer Minderheit. Der „Homosexuelle“ ist nicht durch seine Klasse, seine Herkunft, seine Religion bestimmt, nicht durch Beruf und Steckenpferd sondern durch seine „sexuelle Identität“. In den 80er Jahren des 20. Jahrhundert gelang es der US-Schwulenlobby „Schwule und Lesben“ als eine Minderheit analog zu der ethnischen der Schwarzen, der religiösen der Juden, der linguistischen der Hispanics und dem ethnischen Gemischtwarenladen „Asiaten“ zu etablieren. Wegen der schwachen staatlichen Sozialabsicherung war angesichts der Bedrohung durch AIDS die Solidarität der Gemeinschaft lebenswichtig. Und weil sich „die Griechen“ (d.h. Amerikaner griechischer Abkunft) um Griechenland kümmerten, „die Juden“ um Israel und „die Schwarzen“ um ihre „Heimat“ Afrika, suchten sich Schwulen und Lesben auf allen Kontinenten Leute mit der gleichen Identität. Dank MTV, Hollywood und neuen Asylbestimmungen fanden sie auch überall Kollaborateure.
Halperin: „Nicht alle Gesellschaften organisieren das Sexuelle Feld entlang des Geschlechts des Objektes (sondern z.B. das von mir studierte Griechenland entlang der Penetration des Penis in den Körper des Anderen), auch verbinden nicht alle Gesellschaften die Frage der sexuelle Präferenz mit dem Kern der Persönlichkeit (in dem von mir studierten Griechenland ist die Vorliebe für Jungs oder Mädchen etwa so wie die Vorliebe für Wein oder Bier, für Salz­kartoffeln oder Nudeln, für Hunde oder Katzen, eine Frage des Geschmacks, der ansonsten nicht viel über die Person aussagt).

Ich hoffe es ist klar geworden, dass ich nicht etwa wünsche, dass man in Zukunft von „Homosexualität 3d“ spricht. Ich will vielmehr, dass man das Wort nur noch in historischen Texten verwendet. Über Prosodie heißt es im Lexikon: „in der Antike ... heute vermieden, da vieldeutig.“ Die Vieldeutigkeit und Unklarheit wollte ich aufzeigen.
Wer partout nicht auf das Wort verzichten will, sollte wenigstens nicht mehrere Bedeutungen vermengen.
Das Wenigste ist eine Dis-aggregierung des hyper-aggregierten Begriffs.

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Nicht genug damit, dass „Homosexualität“ Apfelbaum, Apfel, Apfelwein, Apfelkuchen und Äpfelschütteln heißt, es bedeutet außerdem auch noch Birnbaum, Birne, Birnensaft, Birnentorte und Birnenpflücken. ... Es steht nicht nur für formal Verschiedenartiges, es wird auch besinnungslos für inhaltlich Verschiedenes benutzt. „Homosexualität“ steht für die Mann-Männliches und gleichzeitig für Weib-Weibliches (jeweils Tun, Vorliebe, Rolle usw.). Gewiss, man kann Kleinwüchsigkeit und Hyperwüchsigkeit als Paranormalwüchsigkeit zusammenfassen, aber wird man damit dem realen Leben der so kategorisierten gerecht? Man kann so tun, als seien Schweizer und Ruander, Kanadier und Albaner, im Lande geborener Türke und gerade eingetroffener Japaner in Deutschland gleich Ausländer. Aber niemand käme auf die Idee, diesen allen ein Ausländertum unterzuschieben. Doch der fünfzigjährige Deutsche, der zehnjährige Kambodschaner fickt, der weiße Mittelschichtsamerikaner, der männliche Neger tötet und im Kühlschrank aufbewahrt, die Frau in Jeans und Kurzhaarschnitt, die seit zehn Jahren mit ihrer Freundin zusammenlebt, der Skin in Amsterdam, der gern MännerScheiße isst, und der Bundespolizist, der es sich von seinem Deutschen Schäferrüden besorgen läßt, all das fällt unter Homosexualität.

Es gibt tatsächlich Homosexuelle, die an ein „schwules Gen“ glauben. Unverbesserliche Essentialisten verkündet, bei Geburt seien die Menschen differenziert danach, ob sich ihr Eros auf das eigene Geschlechts richte, oder auf das andere. Die bei Erwachsenen feststellbaren unterschiedlichen sexuellen Vorlieben und Handlungsstile seien Ausdifferenzierung der wesensmäßig gleichen Homosexualität. Dagegen schreibt Halperin: "Homosexuality and heterosexuality are not the atomic constituents of erotic desire, the basic building-blocks out of which every person's sexual nature is constructed." Primär sind ein ganzes Bündel von Bedürfnissen: Wärme, Zärtlichkeit, Anerkennung, Geborgenheit, Bestätigung. Aus dem Primatenzoo wissen wir, dass Affen von Natur hitzig werden, aber nicht wissen, wie man sich Erleichterung verschafft: der Gebrauch der Geschlechtsorgane ist erlernt. In manchen Gesellschaften ist die Entladung fast wie Läuselesen: eine unkomplizierte Art, Nähe zu zeigen und zu genießen. Bei anderen ist sie meist mit Aggression verbunden: einer genießt Dominanz, der andere erleidet sie oder genießt die Unterwerfung, die Hingabe. Mancher versucht alles mit einem einzigen Partner hinzukriegen: intellektuelle Bestätigung, sexuelle Ekstase und regelmäßige Triebabfuhr. Andere hegen Freundschaft mit einem, ordentlichen GV mit einer und Ausflippen mit Fremden.
Während der Nordeuropäer im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts davon ausgeht, dass man entweder auf beschwanzte oder bemöste Menschen abfahre (und der Bisexuelle auf beide Geschlechter), geht der Teilhaber an der traditionellen turko-irano-arabo-islamischen Zivilisation davon aus, dass mann auf Frauen, Mädchen, Knaben und nicht allzu maskuline Jugendliche steht – und derjenige wäre bisexuell, den sowohl Knaben wie richtige Männer erregen (und krank wäre derjenige, der sich penetrieren lässt).

Ali Kemal Yılmaz im Gespräch mit Heribert Mürmann am 15.8.1991: 
Eine Tunte wollen alle ficken. Aber von einem Transvestiten wollen alle Freier gefickt werden. Sie sagen: „Du bist eine Frau mit Schwanz.“ Das sind Heteros, die Tunten verabscheuen, und nur Sex mit Frauen haben: solchen mit und ohne Schwanz. Die wollen ab und zu von einer Frau gefickt werden.

Dominanz, Submission, Sicherheit, Anerkennung, Bestätigung, Demütigung, Schmerz, Bewundert werden, narzisstischer Erfolg, bestraft werden anturnend, stimulierend: Gefahr (Angst vor Schlägern), Verbotensein, Verletzung von Körper­ausscheidungstabus
Begriffseintopf - HomoAllerlei

Es ist genauso absurd, das Tun und Verlangen von Männer bepinkelnden Skins, von ver­gewaltigenden Gefängnis­kapos, Schürze tragenden, Frauen­arbeiten ver­richtenden Masochisten, von ihre Partner am Halsband ausführenden Meistern, Unterhosen eines Pornostars schnüffelnden Masturbatores, Schwanz lutschenden Schnauzträger in Holzfällerhemden, Fickern von Thaiknaben und Tunten in Straps als „Homosexualität“ zusammenzufassen, wie religiöses Fasten, Gesundheitsdiät, Bulimie getriebenes Kotzen, Verhungern infolge von Dürre oder Bürgerkrieg, Magerkuren, Hungern, weil zu arm, zum Lebensmittel kaufen, Hungern, weil die Eltern alles versaufen, Hungerstreiken, Hingerichtet werden durch Unterernährung in einen Topf zu werfen.
Homoforscher, die nie eine fremde (zurückliegende, entfernte) Kultur studiert haben, glauben tatsächlich, die Akte zwischen Männlichen seien überall gleich, nur die Interpretation sei andernorts und früher anders gewesen.
Dabei gibt es schon zwischen den Vereinigten Staaten und Frankreich Riesenunterschied: Während „der Franzose“ angesichts eines geilen Mannes den Arsch lobt (den er gern ficken wolle), erklärt „der Ami“: vor dem würde er sofort in die Knie gehen (und ihm einen blasen). Der junge Amerikaner lernt, dass sich das seine Klassenkameraden gern von ihm gefallen lassen (die machen dabei ja genauso wenig wie Clinton im Oval Office), und dass Ficken eher Schweinkram ist. Im Resultat kann der „gay“ dann besser blasen als der „pédé“. Wenn Genet beschreibt, dass der sich vorgebeugt habende Gefickte möglichst unbeteiligt tun muss und nachdem (!) der Ficker gekommen ist, im Neben­zimmer (!) sich allein einen runterholt, dann ist das doch was ganz anderes als zwei Fickende, die sich dabei in die Augen schauen und möglichst gleichzeitig kommen.
Ob es drei Minuten dauert oder vier Stunden, ob mit vom Körper (von einem Menschen zu schweigen) losgelösten = durch ein Loch gesteckten Schwanz
oder im Bett,
ob mit Angst vor der Polizei
oder in der Kabine eines schwulen Karibik­kreuzers, da findet Unterschiedliches statt und nicht Gleiches unterschiedlich interpretiert.
Ob einer drei Mal wöchentlich abspritzen will wegen des Säftehaushalts oder weil er „so“ ist, ob er dabei völlig ausklinkt oder damit Liebe ausdrückt, ist doch nicht nur ein Überbau-Unterschied.

1944 sahen in England stationierten amerikanischen Soldaten Britinnen als „Schlampen“ und „Zicken“: die einen machten gleich die Beine breit, die andern flirteten erst, wiesen sie dann aber brüsk ab. Es stellte sich heraus, dass auf beiden Seiten des Atlantik 50 Stufen zwischen den ersten Augenkontakt und dem Koitus lagen. Dummerweise aber andere und in anderer Folge: während in England der Zungen­kuss erst ganz kurz vorm dem GV dran war, kam er in Amerika viel früher. Wenn die Alliierten küssten (in deren Augen recht harmlos) mussten die Britinnen schon entscheiden: Lass ich ihn ran oder mach ich 'ne Fliege?
Und niemand kann mir weiß machen, dass ein Kuss wie der andere sei, dass man ihn nur verschieden interpretiere.
Von sich auf andere zu schließen ist dumm.
Kategorien der eigenen Gesellschaft auf andere zu übertragen ist wenig hilfreich – es sei denn als ein „verfremdeter“ Blick neben dem „eigent­lichen“.

Mit dankenswerter Klarheit zeigt Schmidtke, dass man mit „Homo­sexualität“ im arab-iran-turanischen Raum fast automatisch Unfug anstellt. Einerseits spricht sie von aktiver und passiver Homo­sexualität, womit aber keineswegs Aktivität und Passivität gemeint sind: der aktiv Kunden anmachende Strichjunge, und der höchst aktiv schwanz­jagende maʾbûn gelten ihr als passive Homosexuelle.
Andererseits behauptet sie, es gebe zwei quasi-akzeptierte Homo­sexualitäten, die mit Alters­unterschied und die mit Geschlechts­rollen­unter­schied. Der Unsinn ergibt sich nicht nur, weil Homosexualität sowohl für eine Neigung und ein Verhalten einer Person (die dann „aktiven“ oder „passiv“ sein kann) als auch für Verhalten zwischen Personen gebraucht wird, es wird auch durch die krude Realität in Frage gestellt: Handelt es sich bei baččabâzlik um trans­generational oder um transgenderist homosexuality?
Und dann spricht Schmidtke auch noch von „den Homo­sexuellen“![zum Anfang der Seite]
So wie  Juden in osmanischen Aleppo, wo es Armenier, Kurden, Griechisch-Orthodoxe, Türken, Sunniten verschiedener Rechtschulen und Sufi-Bruderschaften, Syrisch-Orthodoxe und in der Nähe Yeziden, ʿAlawiten, Zigeuner, Maroniten, Imamiten gab, und solche in Meknes oder Regensburg im 12. Jahr­hundert wo Juden die einzige Minderheit waren, gleichzusetzen ist dumm. Spanisch-sprachige, berbero­phone und arabophone marok­kanische Juden mit den Söhnen Israels im Jemen, die zwar unter den edlen Prophetenabkömmlingen und den Stammesangehörigen standen, aber über Pariagruppen (und Sklaven ?), und in mancher (nicht jeder) Hinsicht näher an der Leitkultur waren als Sunniten und Afrikaner, in einen Topf zu werfen, mag politisch korrekt sein, wissenschaft­lich genau ist sie nicht.

Und wie man zum Verstehen der Situation der europäischen Juden weniger in den Talmud schauen muss, als in die Ökonomie, Kultur und gesellschaftliche Struktur der europäischen Staaten, so unergiebig ist es, „die Homosexuellen“ zu studieren, ohne die Struktur und die Werte der Gesamtgesellschaft im Auge zu haben. Europäische Soziologen machen als das Besondere der Homosexuellen Stigma-Management und Verhüllungs-Enthüllungs-Management aus. Doch wenn es gar kein Stigma gibt, wenn man es nicht geheim halten muss, oder man es gar nicht geheim halten kann, gibt es dann keine Homosexuellen? Zumindest keine im europäischen Sinn.
Wer glaubt die sexuellen Verhältnisse zwischen Männlichen verstehen zu können ohne die „Stellung der Frau“, d.h.
die Aufteilung der Entscheidungsmacht auf Geschlechter und Altersgruppen,
die gesellschaftl. Vorstellungen über die Natur der Geschlechter und Altersgruppen (natürl. Talente und Charakter
die Arbeits-/Aufgabenteilung,
das Heiratsalter, die zahlenmäßige Verteilung von Unverheirateten (Knechte, Mönche, Hagestolze), die Erbfolge
studiert zu haben, tut mir leid.

Aufschlussreich sind auch die Schönheitsideale diverser Gesellschaften, Schichten und Subkulturen. Analog zur essentialistischen Sicht der Homosexualität („Überall und immer gibt es von Natur einen gleichen Satz von gleichartig HomoSex-Begehrenden, nur leben sie dies in verschiedenen Gesellschaften verschieden aus.“) könnte man sagen: Überall und immer begehren etwa gleichviel Männer große, schlanke, fettarschige, alte, blonde, vollbusige, androgyne, junge, schwarzhaarige Frauen; unter dem Einfluss von Schönheitsidealen verleugnen dies manche, vielen ist es sogar wichtiger mit einer gesellschaftlich begehrten Frau zu gehen als mit einer, die sie von ihrer Veranlage/Prägung her geil finden.
Das ist aber Quatsch: „Die Araber“ pfeifen fettarschigen Frauen nicht nur hinterher, weil Freunde in der Nähe sind, sie greifen zu ihnen auch öfter als Deutsche – häufiger, also ein größerer Anteil an „den“ Arabern, nicht jeder einzelne. Und so wie manche Soziologen den Bubikopf und das Twiggy-Ideal als Homosexualisierung der nord-west-europäischen Heterosexualität lesen, so sehe ich bei Sex mit einem Transvestiten (siehe oben) oder mit einem pummeligen Dreizehnjährigen (siehe unten) gar keine Homosexualität, sondern HeteroSex mit einem Schwanzträger.

Strafrechtler, Moraltheologen und Psychologen mögen anders vorgehen – Kulturwissenschaftlern empfehle ich folgendes: Schaut euch die konkreten Einrichtungen an, die Tanzveranstaltungen, Bäder und Kinosäle, die Cafés, die Sittenpolizei und die Rechtshilfevereine, die Reizwäscheläden und Klöster.
Auf den Spuren Wirths wird man über mann-männlichen Sex im Maghreb mehr erfahren als durch Koranlektüre à la Schmidtke. Ja, lest die Romane der Ausländer und die der Araber und Berber (achtet dabei auch für welches Publikum, in welcher Sprache sie geschrieben wurden), aber achtet auch auf Kontaktanzeigen, Sportmagazine und Pfadfinderlager, auf die TV-Game-Shows, soap operas und Filme. Ich verstehe einfach nicht, wie man die Vorliebe für frauenliebende Soldaten, die man fürs Berühren-Dürfen bezahlt, die reine Liebe, die repeatedly exists between an elder and a younger man, when the elder man has intellect, and the younger man has all the joy, hope and glamour of life before him eines Wilde, die Schwärmereien eines Thomas Mann für zwanzigjährige Kellner oder die Gides oder Maupassants für Kinder mit dem Lederkerl, der einen Freund am Hundehalsband durch Barkeller zieht, in einen Begriffstopf wird. Wer San Franciscos gay banks und Dänemarks Homo-Ehe in Casablanca sucht, wird nicht fündig; wer Rio de Janeiros Transi-Stricher in Istanbul oder Beirut sucht (oder unter den orientalischen Prostituierten in Berlin und Paris) schon eher.

Hilfreich ist auch ein Studium der Kommunikation:
Sprichwörter, Schimpfwörter, Anzählverse und Gesten. Es dürfte bekannt sein, wie üblich in Italien das Andeuten der Hörner des Gehörnten hinter dem Kopf eines Mannes ist, aber niemand hat beschrieben, wie üblich es in Syrien ist, sich hinter den Rücken eines jungen Mannes zu stellen und Stoßbewegungen mit dem Becken zu vollführen. Es ist eben nicht das Gleiche, ob man jemanden üblicherweise als „Arschficker" beschimpft (wie in Deutschland) oder als „Gefickten“ (wie in Syrien).

Man verschone mich mit Geschwafel à la „A hatte Verkehr mit seinem Partner B“!
Was genau, warum und wozu – vielleicht auch noch wie, wo und wann.
Wem das zu konkret ist, der mache doch einen Bogen um derlei Themen: Besser gar nichts dazu schreiben als aus einem Abstand, aus dem man Einzelheiten gar nicht wahrnehmen kann. – Und wem ohnehin klar ist, dass HomoSex nur ein aussagearmer Oberbegriff ist, der kann die Listen überspringen.

Es ist nicht das Gleiche, wenn

Trotz des unleugbaren Gegensatzes zwischen Ficken zur Markierung einer Distanz (Dominanz, Demütigung) und Ficken zur Festigung einer Nähe (Hingabe, Aufnahme, Durchfluten, Reinkriechen) kann nicht bestritten werden, dass es zu Kreuzungen kommt: eine gespielte, einvernehmliche Demütigung aus Ausdruck von Nähe, die Etablierung eines männlichen und weiblichen Pols beim Sex als Gegengewicht zur bestimmenden und versorgenden Rolle des Gefickten im Zusammenleben usw. Dass Elemente vermischt vorkommen, ja sogar, dass etwas Ausdruck des Gegenteils sein kann, hebt die Gegensätzlichkeit nicht auf, nivelliert die Verschiedenheit nicht zu einem homogenen Homosex.

Die Elemente sind auch nicht gleichmäßig über alle Kulturen und Epochen verteilt. Es mag auch schon vor 30 Jahren vorgekommen sein, dass ein Mann einem andern schmerzhaft an den Brustwarzen knabbert, doch dass man bei Männern in Jeans oder Lederhose davon ausgeht, dass die da gern gezwackt werden und ziemlich bald mit Fingern, Zähnen oder Zangen Schmerzen erzeugt, ist eine neue Mode.
Lycra-Fetischisten gibt es seit sehr kurzem, Gummi-Fetischisten etwas länger und selbst Lederbars entstanden erst in den 50er Jahren.
Es wäre naiv zu glauben, dass es zwar „diese Verfeinerungen“ bei „den Persern“ nicht gegeben habe, aber die grundlegenden Verhalten überall gleich seien. Tanzknaben und Betrachten von Jüngelchen habe es in Mainz nicht gegeben, aber Männer, die miteinander gefickt haben habe es hier wie dort gegeben. – Ja, in dieser Allgemeinheit mag das stimmen. Aber die Zahl, das Alter, die Art der Beziehung, das Finden von Partnern, die Bedeutung der Handlungen, die Dauer und die Art der Handlung selbst sind extrem unterschiedlich.
Mitte der 70er Jahre trugen ganz viele Nordmänner, die Sex miteinander hatten, einen Schnauz, heute haben ganz viele einen extremen Kurzhaarschnitt, während in anderen Kulturen nur einer äußerlich anders ist als die Masse der Männer: sei es der tuntige oder gepflegte Gefickte, sei es der tätowierte oder bestiefelte Ficker.
In den 50er Jahren scheint es bei US-Jugendgangs nichts besonderes gewesen zu sein, dass ein Kerlchen den Kerlen einen geblasen hat, etwa so wie er im drugstore deren Tablettes nach dem Essen weggeräumt hat. – In Ägypten hat er sich von den bullies des Viertels eher ficken lassen. Während dem jungen Amerikaner, das zu schweinig war, war dem Ägypter aktives orales Bedienen zu erniedrigend, während ihm beim Geficktwerden einfach keine Wahl gelassen wurde – und was einem passiert, dafür ist man nicht verantwortlich.
Auf englischen Internaten lief es anders als auf österreichischen oder französischen. Die Zugänglichkeit von Prostituierten und die Frage, ob jedem älteren Schüler ein jüngerer als Diener zugeordnet ist, spielt eine Rolle, Katholizismus versus Protestantismus und die Standesverhältnisse sind auch von Bedeutung. Überhaupt ist immer die Frage nach Mittelschicht, Unterschicht, Blutadel und Geldadel zu stellen. Auch ist der Katholizismus im katholisch regierten Bayern anders, als im preußisch beherrschten Rheinland, anders wiederum als in der norddeutschen Diaspora. (Berberdorf, Araberstadt in Marokko, Kairo, Deltadorf, Damaskus und Beduinenzelt dürften sich auch in diesen geschlechtlichen Dingen unterscheiden.)
Wenn was nicht stimmt, bitte ich um Hinweise
Unabhängig von Details glaube ich gezeigt zu haben, dass Handlungen, bei denen erotische Zonen und Genitalien, erotische Rituale und Lust eine Rolle spielen verschieden sind und sehr verschiedenes bedeuten.

Da bei MittelstandsEuropäern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Sexualität ganz nah an dem ist, was man/frau ist, da es intim und tabu ist, noch ein Mal den gleichen Gedanken an einem unverfänglicherem Thema.
"Ein Auto haben" ist nicht für alle das Gleiche

Und wer so intelligent ist, nicht nur einfach "Auto" zu sehen, darf wenn er alte Kulturen studiert nicht nur – von der Sprache (Wagen, voiture, Karosse, 'arabiya, coach, Droschke) verleitet – nach Kutschen Ausschau halten, sondern muss nach
Fortbewegungsmittel
Freiheitssymbol
Privatsphärenschaffer
Statussymbol
Mannbarkeitssymbol (bzw. -ersatz)
Wirtschaftsfaktor usw. sehen.
Dann ist es etwa nicht bloß der Wagen, sondern das Reit- und Zugpferd.
Ähnlich zu "Sex /=  Sex" ist die Beobachtung, dass sich Sportler alle paar Jahre anders freuen. für die letzten 50 Jahre besitzen wie  Aufnahmen von Fußballspielern unmittelbar nach einem Torschuss, von Tennisspielern beim Machen eines wichtigen Punktes: das Verhalten ändert sich alle paar Jahre, hat oft kaum Ähnlichkeit mit den Reaktionen von vor fünf Jahren -- und es sind ganz offensichtlich nicht Idiosynkrasien sondern zu 90% zeitbedingte Gesten. Dabei sollte man Freunde für eine viele unmittelbarere, natürlichere, weniger erlernte Sache halten als Sex.

Begriffseintopf paradox

Es hat sich als hilfreich erwiesen, Gefangene und Wärter zusammen zu betrachten. Kriminologen haben die Viktimologie etabliert, in der Verbrechen nicht vom Verbrecher aus, sondern vom Opfer her erklärt werden. Soziologen und Psychologen haben erstaunliche Ähnlichkeiten zwischen Polizisten und Verbrechern festgestellt. Trotzdem spricht man gemeinhin nicht von Gefägnispersonal, wenn man Gefangene meint und von Kriminalen, um unterschiedslos Polizisten, Verbrecher und Opfer zu bezeichnen. Doch komischerweise spricht man ständig von Homosexuellen, die man dann in aktive und passive, situative und natürliche, in anonym agierende und offen Schwule unterscheidet. 

Dass es HomoSex an sich nicht gibt, heißt nicht, dass man die Gesamtheit der sexuellen Handlungen und Reaktionen von Menschen nicht nach dem Geschlecht der Beteiligten einteilen könnte. Ich bestreite nur, dass es sinnvoll ist. Wenn man männliche Prostituierte (solche die männliche und/oder weibliche Kunden haben) und weibliche Prostituierte zusammen betrachtet, bringt dass mehr, als der Vergleich von alle möglichen Männlichen, die Sex mit Männlichen haben. Wie alt sind sie, wie alt haben sie angefangen, haben sie einen Zuhäter (die Elternß), wer sind die Kunden usw. Und Sextourismus nach Marokko sollte sinnvollerweise mit Sextourismus nach Jamaika, Thailand und den Philippinen verglichen werden – dass dabei nicht nur die wirtschaftlichen Verhältnisse, sondern auch die indigenen Einstellungen zum und die frühere Organisation des Sexuellen zu betrachten sind, versteht sich. Ich will keine Fragestellungen verbieten, sondern die Beschränktheit von Beschränktem aufweisen.

An der Schwelle zum 3. Jahrtausend scheint es plausibel, Unterschiede zwischen Mann und Frau zu leugnen und Männerliebende und Frauenliebende in einen Begriffstopf zu werfen, doch sollte man wenigstens ab und zu innehalten und sich die Taxonomien der Gesellschaft anzuschauen, über die man spricht. 1991 veröffentlichte E. K. Rowson einen Artikel über Geschlechterkategorisierung und sexuelle Abweichungen in mittelalterlichen arabischen Lasterbüchern. Es zeigt sich, dass Phänomene, die anachronistische Eurozentristen unter „Homosexualität“ zusammenfassen, an drei verschiedenen Stellen auftauchen:
die Knabenficker zusammen mit den Arschfickern von Frauen und denen, die für Geld Sex haben (nicht weit von den Hurern),
die sich mit Lust ficken lassen (bei den Impotenten und ihre-Frau-Machen-Lassenden, oder gar Verkuppelnden)
und in der Mitte, die wo kein Penis eindringt, also die Lesben, die Masturbatoren und Zwischen-den-Schenkeln-Reiber.
Rowson zeigt auf, dass die arabischen Sexologen nicht wirre, unsystematische Köpfe hatten, nur weil sie nicht nach der „sexuellen Identität“ einordnen, sondern dass die Liste nach einem Gesichtspunkt geordnet ist: Vaginalpenetration (sogar von fremden Frauen) ist top, sich oder seine Frauen penetrieren lassen das Gegenteil.
Um sich der Unhaltbarkeit der Begriffs klarzumachen, reicht es, ihn nur noch in seiner durchsichtigen, in seiner deutschen Form zu verwenden. Ich bin überzeugt: Wenn man "Homosexualität" überall durch "Gleichgeschlechtlichkeit" ersetzte, vermiede man ihn bald ganz.

Nicht dass man sich auf Einzelheiten beschränken müsste, aber vielleicht sollte man mit ihnen anfangen. Vielleicht kommt uns im Zeitalter des anything goes das Gefühl für hegemoniale Verhaltensmuster ab, vielleicht ist das manchen auch zu kompliziert, einerseits ein tonangebenden Leitmuster herausarbeiten zu sollen und gleichzeitig die Existenz einer darin nicht aufgehenden Realität nicht zu verleugnen.

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Zum Anfang des Unsinns von Frau Doktor Sabine Schmidtke