Gudrun Krämer hat den Verstand verloren (wenn man denn bei ihr von sowas sprechen kann)

G u d r u n  K r ä m e r

 
 
 

 

 
 
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 
 
 

 

 
 
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 
 
 

 

 
 
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 
 
 

 

 
 
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 
 
 

 

 
 
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 
 
 

 

 
 
 
 
 

 

Spodik des Gerrer


 
 
 
 
Kippa eines Nationalreligiösen
 

 
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 

 
Tsitses über der Hose
 

 
 

 

 

 

Wächter in Rehovot
Krämers Sonderheft der Welt des Islams
zu islamischem Anti-Semitismus


Heft 46,3 der Welt des Islams verrät uns einiges über Judenfeindlichkeit in muslimischen Gesellschaften und einiges über Gudrun Krämer, ihr Selbstverständnis als Wissenschaftlerin und ihre Kenntnisse von den Dingen. Michael Kiefer und Alexander Flores liefern fundierte Artikel und sie definieren ihre Begriffe im Gegensatz zu Krämer ((ich finde es zwar komisch, dass Flores für "Feindschaft gegen Juden" ein Wort nimmt, das "Angst vor Juden" bedeutet, aber er hat wenigstens die grundlegenden Begriffe geklärt)). Gudrun Krämer forscht nicht selbst. Sie verrät uns, dass sie bisher zum Thema nicht geschrieben hat, "because ... the subject was not sufficiently well researched to warrant serious treatment." Erst wenn die niederen Chargen alles aufgearbeitet haben, kommt Krämer und widmet sich dem erforschten Thema – aber nicht als Meta-Theoretikerin, sondern als Moderatorin, als Sprachrohr der Zunft für "a larger public".
An Kiefers Artikel gibt es wenig zu kritisieren. Bemerkenswert ist allenfalls die Angst, eindeutige Tatsachen im Indikativ zu sagen. Er versteckt sich hinterm Konjunktiv: der Staat Israel, der "über keine klaren Grenzen und kein klar bestimmbares Staatsvolk verfüge." Der Staat Israel hat weder die Grenzen des Teilungsbeschlusses der UNO, noch die Waffenstillstandslinien von 1949 anerkannt. Und da er jeden Juden der Welt als Staatsbürger behandelt, der palästinensischen Boden berührt und um die Staatsbürgerschaft nachsucht, und da gemäß der Verfassung Israel nicht der Staat seiner Bürger sondern "der Staat des jüdischen Volkes" ist, hat er kein klar bestimmtes Staatsvolk. De facto ist "das jüdische Volk" ja doch nicht das Staatsvolk, weil man die israelische Staatsangehörigkeit braucht. Auch weiß niemand, wer genau zum jüdischen Volk gehört. Zählt ein reformerisch Übergetretener dazu oder ein Ex-Sowjet-Bürger, in dessen Pass "Jude" stand, der aber nicht weiß, ob die Mutter seiner Mutter Jüdin war. Der Staat Israel verfügt weder über klare Grenzen, noch über ein klar bestimmtes Staatsvolk. Das nicht im Indikativ zu schreiben, zeugt von Opportunismus.
Alexander Flores zeigt: die Palästinenser sind Anti-Zionisten, viele Palästinenser sind Anti-Semiten, aber sie sind ersteres nicht, weil sie letzteres sind – eher umgekehrt. Er zeigt auch, dass nicht nur die eigenen Führer gelegentlich die Gegensätze zwischen den Religionsgemeinschaften betonten, sondern dass vor allem die Zionisten alles daransetzten, die Unterschiede zwischen Zionisten und Juden zu verwischen. Er zeigt, dass die alten Gewohnheiten aus der Osmanenzeit dies Denken nahelegten. Er weist aber auch darauf hin, dass die palästinensische Führung kein Bündnis mit anti-zionistischen Juden anstrebte; während die Zionisten erfolgreich das arabische Lager spalteten, trieben die Muslime durch ihre Ausschreitungen Agudat Israel in die Hände der Zionisten; nicht einmal die Neturei Karta waren in ihre Planung einbezogen. Wundern tut mich nur Floresens geheime Botschaft:
nur die Palästinenser, die den Staat Israel anerkennen oder für einen bi-nationalen Staat sind (also die jüdische Nation anerkennen), sind keine Anti-Semiten.
Wer für den status quo ante ist, also dafür, dass Palästina den Palästinensern (mit Einschuss der "einheimischen Juden") gehört, in dem fremde Juden zwar leben dürfen, wie die italienischen Franziskaner, französischen Zisterzienser und deutschen Templer, ohne nationale Rechte, ist Anti-Semit. ? Nur ein Philo-Kommunist und Philo-Semit ist ein wirklich vertrauenswürdiger Palästinenser. ? Wie gesagt: nicht explizit, aber deutlich herauslesbar. (Ich finde es sympathisch, dass Flores seine 40 Jahre alten Überzeugungen nicht über Bord geworfen hat, aber die Politik der Komintern ist als Richtschnur nicht mehr verbindlich.)

Stefan Reichmuth schließlich hat vom Nahostkonflikt gar keine Ahnung. Wie sonst könnte er schreiben: "the Camp David negotiations ... had failed mainly because of the unresolved question of future sovereignty over Jerusalem and the Temple Mount." (332) Wie sonst könnte er "Altstadt" mit Ost-Jerusalem verwechseln (333) oder schreiben, dass der ganze "Gush Emunim" die al-Aqsa-Moschee in die Luft sprengen wollte (340) [es waren nur ganz wenige Getreue und es ging ihnen um den Felsendom; außerdem entstand der Block der Getreuen nicht gleich "after 1967" sondern 1974.] Wie Kiefer nimmt er sich vor den Pfeilen der Israellobby in Acht: Statt zu schreiben, dass es keine archäologischen Funde gibt, die die Existenz des salomonischen Tempels beweisen, ist es laut Reichmuth unter Palästinensern weit verbreitet, zu bestreiten, dass es in der Nähe der Aqsa Überreste des salomonischen Tempels gebe (341). – Es steht eindeutig fest, dass es einen salomonischen Tempel, ein eisenzeitliches Zentralheiligtum der zwölf Stämme Israel in Jerusalem nicht gegeben hat und selbst für ein Jerusalemer Tempelchen im 10. Jh. vor der Zeitenwende gibt es keine Funde. Ja wenn man sein Israel-Palästina-Wissen aus Krämers Geschichte Palästinas bezieht, dann kommt so etwas heraus. Krämerwürdig ist auch sein "the ultra-Orthodox haredim", als gebe es "non-Orthodox haredim""haredim" täte es auch oder von mir aus: "haredim, the ultra-Orthodox, ...".

Der einleitende Artikel der Herausgeberin trägt den Titel "Anti-Semitism in the Muslim Word. A Critical Review" – es geht darin aber um etwas anderes und er ist ganz gewiss nicht kritisch. Es geht in dem Artikel in weiten Teilen um judenfeindliche Ereignisse und Juden diskriminierende Vorschriften. Diese als anti-semitisch zu bezeichnen ist entweder (zionistisches) Programm oder Gedankenlosigkeit. Wenn in Marokko bei Thronstreitigkeiten Städte erobert werden, dann leidet die gesamte Bevölkerung, nicht nur die Juden. Wenn in Mosul oder Granada ein jüdischer Wizir gestürzt wird, dann werden ein paar jüdische Geschäfte geplündert; das ist nicht erfreulich für die Betroffenen und zeugt auch nicht von Herzensgüte der Plünderer und individueller Schuldzuschreibung auf Seiten der Mordgesellen, ist aber gewiss nicht Ausfluss einer antisemitischen Gesinnung.
Ich bin eher der Ansicht, dass des marokkanischen Königs Hasans II. Judenfreundlichkeit Ausfluss einer antisemitischen Grundhaltung war. Er war nämlich davon überzeugt, dass "die Juden" die Wall Street und die Londoner City kontrollieren, und dass man sie braucht, wenn man reich bleiben/werden will.

das Judengespenst [ist] dem ganzen Menschengeschlechte ... zu eigen ... Die Judophobie ... ist hereditär und als eine seit zweitausend Jahren vererbte Krankheit ist sie unheilbar.
Leon Pinsker

Das ist die Grundannahme des Zionismus und das liegt implizit Krämers Artikel zu Grunde. Wer verstehen will, was Juden unter islamischer Herrschaft zugestoßen ist, ohne verstehen zu wollen, wie es Chinesen in Indonesien, Indern in Uganda, Armeniern in Iran geht, der hat den Blick schon so eingeengt, dass die Wahrheit nicht mehr herauskommen kann. Wer das Verhältnis Islam-Juden klären will und nicht die Situation von jüdischen Kleinhändlern in einer segmentären Gesellschaft (Marokko – und mit Abweichungen Kurdistan und Jemen), die Situation von jüdischen Fernhändlern in Konkurrenz mit muslimischen, die Situation jüdischer Einwanderer in Ägypten, in Bahrein, in Palästina usw., der kann nur zu falschen Ergebnissen kommen.
Krämer hält die "lokalen Unterschiede" zwar verbal hoch und sie weiß auch, dass sich der muslimische Staat einer nicht-muslimischen Mehrheit gegenüber anders verhält als einer popeligen Minderheit, aber sie ist meilenweit entfernt von dem, was ein Übersichtsartikel leisten müsste:
Wie wirkt sich (außenpolitische, innerstaatliche, innermuslimische) Stärke des islamischen Staates aus? Dienen Juden lediglich als Sündenböcke in Krisen? Wegen ihres Jude-Seins, Händler-Seins, Fremd-Seins, Minderheit-Seins? Wie wirken sich innerjüdische Ereignisse (Spaltungen, Aufstände, Auswanderung, Zuwanderung, Messiansmus) aus? Wie wirken sich wirtschaftliche Veränderungen aus (neue Herstellungsverfahren, veränderte Warenströme)? Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen unterschiedlichen Judenheiten (neutrale Warenvermittler in segmentären Stammesgesellschaften; alteingesessene städtische Handwerker; Fernhändler; Hofjuden als Steuereintreiber und Münzfälscher)? Allein schon dadurch, dass Krämer den Koran befragt und sich nicht die Situation der Armenier 1909 in Adana, der Griechen in der Türkei 1955, der Georgien in Moskau heute, der Schwarzen auf Kuba oder in Brasilien, der Parsen in Indien und der Muslime auf Ceylon anschaut, schränkt sie die möglichen Antworten ein. Sind Ausschreitungen von Albanern oder Kroaten Ausdruck von Anti-Serbismus oder gibt es Interessengegensätze? War der Mob von Rostock-Lichtenhagen anti-vietnamesisch oder waren die Einigungsverlierer "eigentlich" wütend auf die westdeutschen Eroberer? Waren die Bomben, die ägyptische Juden in Kinos legten, anti-ägyptisch oder schlicht zionistisch? Waren die Lynch-Morde 1993 in Rumänien Ausdruck von Anti-Ziganismus? Diese Fragen zu stellen heißt nicht, sie zu beantworten. (Leider muss man ja heute manchmal das Offensichtliche sagen.) Wer die Fragen aber so stellt wie Krämer, ohne im Hinterkopf Übergriffe von Sunniten gegen Schiʿiten in Pakistan, von Hindus gegen Muslime in Bombay zu haben, unterzieht die Juden einer Sonderbehandlung.

Man vergleiche folgende Statements:
"anti-Jewish attitudes are not the main cause of Arab enmity towards Israel but rather a phenomenon resulting from this conflict."
und
"Yet contextualization cannot entail justification: his anti-Zionist stance took on a decidedly anti-Semitic colouring"
Was ist von Flores? Was von Krämer? Von wem stammt die klare Feststellung und von wem der Eiertanz?
Übrigens hat Krämer das vor zwanzig Jahren schon mal klarer hinbekommen: "Religious sentiment against the Jews as enemies of the Prophet and Islam combined with adaptations of the anti-Semitic stereotypes of European provenance to create an image of the Jew as enemy, which was, however, based on political and economic factors rather than on religious or racist grounds." Jews 148 – Ja dies ein bisschen kompliziert bzw. differenziert ausgedrückt: Es gibt Vorbehalte gegen Juden auf der ideologischen Ebene, was aber das Verhalten gegenüber jüdischen Nachbarn gar nicht beeinflussen muss, und es gibt in konkreten politischen Situationen Übergriffe gegen Juden, deren Grund aber nicht der Anti-Semitismus sein muss.
Damals, in ihrem Buch über "Juden im modernen Ägypten" konnte man Einzelheiten erfahren wie "only the less well-educated lower and lower-middle class [Jews] spoke Arabic as their native tongue", und damals zitierte sie den Direktor der Kairiner Schule der Alliance Israélite Universelle wie folgt: "Because of the totally different orientation in their culture, our coreligionists [d.h. die Juden] play no rôle whatsoever in the destiny of the country, where they live as strangers. They hold no offical function; the administration and the native bar [die Gerichte für Einheimische im Gegensatz zu den ägyptischen Gerichten für Ausländer] are completely inaccessible to them, and with good reason. They have neglected Arab culture and language, some because of their exotic origin, the majority out of contempt for things native [Verachtung für alles Einheimische G.K.] ... It would take a national[-jüdische] preparation to make them ready for integration into the masses of the natives." 168 Damals gab es in der Welt der Autorin mehrere verantwortlich Handelnde, heute sind die Muslimen Tätern, die Juden Opfern, basta!

Gudrun Krämer hat völlig den Verstand verloren (to the extent one can call her intellectual capacities by that name). Sie gibt Weisheiten wie Apologetics are never helpful zum Besten. Was soll das? Was will sie damit sagen. "(Formelle, systematische) Verteidigung(sschrift)en sind NIE hilfreich"? Abgesehen davon, dass dergleichen All-Sätze nicht beweisbar sind (wenn man Karl Popper glauben kann), ist es schlicht falsch. Was sie im Kopf gehabt haben mag, ist ein gouvernantenhaftes, moralinsaures Sätzchen à la "Wer schreit hat unrecht", "Lügen haben kurze Beine". Aber selbst die stimmen nicht immer.
Sie hat es weit gebracht: Man erkennt ihre Hervorbringungen schon allein am Stil:
"contextualization places ... statements within a wider ... context"
"in actual fact"
"ambiguous and ostensibly inconsistent"
"This [diesen Artikel zu schreiben] is not an easy task."
"(if this is not too weak a term)"
"Up to (and beyond)"
"actual practice responded to local conditions and accordingly varied considerably from one place to another" – warum denn knapp, wenn es doppelt gemoppelt geht?
"Theory therefore was not uniform."

Ich weiß nicht, was sich Krämer und Flores bei der Behauptung denken, es sei ganz schwierig, Zionisten und Juden auseinanderzuhalten? Klicken sie hier und hier, hier und hier. Erkennen Sie die Zionisten? Lassen Sie sich nicht durch den Messianismus von nach 1967 den Kopf vernebeln: 1930 konnte man nicht nur den alten Yišūv vom neuen unterscheiden, sondern wer wollte, konnte nicht nur eine Frau aus Ramallāh von einer aus Beit Jalla am Kleid unterscheiden, sondern auch den Gerer vom Belzer (Gamaschen über den Schuhen und Socken ÜBER den Hosen, runde und spitze Hüte mit Knick KANN man genauso unterscheiden wie weiße, schwarze und gestreifte Röcke). Toldos Aharon
Pioniere
Waechter
Degania
Selbst der einfältigste Bauer kann sehen, ob jemand Schläfenlocken (sogar hinter den Ohren) trägt oder einen Pony auf der Stirn, ob er einem Schtreimel trägt oder eine gehäckelte Kippa.
"anti-Jewish and anti-Semitic ... anti-Jewish and anti-Semitic ... anti-Jewish and anti-Semitic" (244) – dreimal hintereinander und zig Mal im ganzen Artikel OHNE auch nur einmal zu erklären, was sie sich dabei denkt. Desgleichen: "the Holocaust / Shoah ... the Holocaust / Shoah" (272) – ohne Erklärung für ihre Wortwahl (später kommen beide Begriffe auch einzeln vor).[1]
Desgleichen mehrmals "the Arab-Israeli conflict over Palestine" (nicht etwa, dass auch vom Israelisch-Libanesischen Konflikt die Rede wäre, sondern immer nur von dem Arab-Israelischen um Palästina).
Zum Glück für sie ist sie schon Professor. Denn den Bachelor könnte sie nicht machen, ohne Titelangabe zu lernen: Notes

Die anderen Autoren des WdI-Sonderheftes können übrigens regelgerecht die Titel angeben: Kapitälchen, Versalien, und Blümchen werden ignoriert, "&" wird als "and" (bzw. "und") wiedergegeben.
"not to mention the Islamic world at large with its vast array of languages from Hindi and Punjabi to Urdu and Malay." so als schriebe man von "der weiten katholischen Welt mit ihren so ganz verschiedenen Sprachen von Serbisch bis Kroatisch" – für die Leser mit so geringen Kenntnissen wie Frau Professor: Hindi und Urdu sind nicht viel weiter auseinander als Englisch und Amerikanisch, das eine wird aber mit den gleichen Buchstaben geschrieben wie die Veden (und ist gewiss keine muslimische Sprache) und das andere mit den gleichen wie der Koran, so wie sich Kroatisch von Serbisch "eigentlich" nur durch die (lateinische bzw. kyrillische) Schrift unterscheidet.
"local congregations (sing. kohel)" – ich kann das so bei Lane nicht finden:Lane kukûla
Soll es Hebräisch sein? Da wäre qehîla richtig (und die hebräische Wikipedia bietet zu Krämers Kohel dies und zu Qohel dies: Helmut Q., deutscher Politiker.) – Aber vor allen Dingen: Was sollen solche in Klammern eingestreute Begriffe, außer dass sie damit (Un-)Wissen zur Schau stellt? Wenn sich ein fremder Begriff eingebürgert hat, oder wenn man einen fremdsprachigen Begriff für typisch und unübersetzbar hält, dann kann man ihn erklären, aber einfach einem bekannten Begriff ein unbekanntes, fremdes Wort nachzustellen, ist Unsinn.[2]

"In western political discourse including Israel" – not in western and Israeli ... nor in Western as well as in Israeli, but "including" – an solchen Freudschen Leistungen läßt sich ablesen, wo ein Autor wirklich steht!

Sie erwähnt "the abolition of the poll tax (jizya)" ohne die Einführung des bedel-i askeriye zu erwähnen.

Krämer: "Italy, which had annexed Libya in 1911/12, brutally subjected the hinterland"
sooh stimmt das nicht: Italien erklärte dem osmanischen Reich am 29.9.1911 den Krieg, besetzte dann Teile der Kyrenaika (Barqa) und Tripolitaniens. Am 15.10.1912 errichtete es ein Protektorat, welches das osmanische Reich drei Tage später im Frieden von Lausanne anerkannte, ab 1927 behandelte Italien die beiden Küstenprovinzen als getrennte Kolonien, nach der Eroberung des Hinterlandes, des Fezzans, legte es die drei Provinzen am 3.12.1934 zu "Lybien" zusammen.
Ich höre schön die Apologeten: Sei nicht so kleinlich. – Wenn jemand schriebe: "1920 wanderten sie nach Israel (statt Palästina) ein", oder "Stalin war Generalsekretär der KP Russlands (statt der SU)", wäre man da auch so großmütig? Weil Ihr Euch bei Lybien oder Urdu schlechter auskennt, fällt es Euch nicht soooh auf. Eine Herausgeberin der EI3 sollte sowas nicht denken, nicht sagen und nicht schreiben.
"Young Egypt in Egypt" (261)
Manchmal ist sie einfach goldig: "für den polemischen Gebrauch [von 'Islamo-Faschist'] siehe Wistrich, “Old-New Anti-Semitism” (he does not employ the term itself)"

Sie bringt es fertig, zig Mal über Juden in Ägypten zu schreiben, ohne zu erwähnen, dass nur etwa 10% ägyptische Staatsbürger waren. – Oder erwartet sie, dass alle ihre 25 Jahre altes Jews in Modern Egypt im Kopf haben, wo sie geschreiben hatte: "Only a small minority of Jews living in Egypt ... were strictely speaking Egyptian Jews in the sense that their families had been living in Egypt for several generations."
"anti-Jewish and anti-Semitic attitudes ... anti-Jewish and anti-Semitic attitudes" (262)
"the case of Yemeni Jews who were forced to clean the latrines ... Again, patterns varied greatly from one location and one period to the other." – in der Tat und vielleicht gar so sehr, dass der ganze Artikel nutzloses Geschwätz ist. Denn was wollen mir die jemenitischen Latrinenputzer sagen. Nach meinen Informationen war das an den meisten Orten und zu den meisten Zeiten die Aufgabe der dunkelhäutigen muslimischen Aḫdām. Durch messianische Aufsässigkeit hatten die Juden nach Auffassung einiger zaiditischer Rechtsgelehrten den Schutz verwirkt, sie wurden als Nicht-ḏimmis[!] gezwungen die Aufgabe zu übernehmen; sie wurde einigen Armen übertragen. Andere Rechtsgelehrte erklärten dies für gegen den "ʿUmār-Pakt" verstoßend, wieder andere finden, dass seit der Vertreibung der Juden aus Ḫaibār auf der gesamten Arabischen Halbinsel Juden nichts zu suchen hätten
Während die Autorin enthüllt, dass "the Semitic race is itself a racist conception" und, dass man zwischen "Muslim societies" und "societies under Islamic rule" unterscheiden sollte, spricht sie völlig gedankenlos (in Huntington Manier) von "Buddhist territory".
"The first thing that needs to be emphasized when dealing with the status of Jews in Islam and under Islam is the fact that in most instances, Jews were only one out of several non-Muslim communities concerned, and that specific policies and regulations were as a rule not directed at Jews as Jews, but rather applied to all non-Muslims living in the respective territory."
 
in most instances – und was ist mit den anderen: Mauretanien, Marokko (unter den Stämmen und in den Sultans-Städten), Algerien (+ in Mzab), in Tunesien (+ auf Djerba), in Libyen, im Jemen?
Und da Sie geklärt hat, dass in Islam etwa "in der Theorie" bedeutet (s.u.), hat das in einem Satz über die Praxis nicht zu suchen – typisch für ihr unsauberes Denken!
In most instances, Jews were not the only non-Muslim community, and policies were not directed at them as Jews, but rather as non-Muslims.
 
policies and regulations sind nicht auf der gleichen Ebene; policy drückt sich u.a. in regulations aus. Was die respektiven Territorien in dem Satz zu suchen haben, kann auch der vorausgehenden Satz nicht klären; wir sind am Kapitelanfang.
 


Christen und Ökonomie: so gut wie nichts, gerade mal:
the Jewish and Armenian trading houses in Fatimid Egypt, Safavid Persia and the Ottoman Empire

"Following World War I, most of the former Arab provinces of the Ottoman Empire fell under European colonial rule, in the new guise of protectorates" – 1800 nahm Russland die ehemals venetischen ionischen Inseln unter seinen Schutz, ab 1809 Großbritanien die gleichen Inseln eine nach der andere. Und 1815 wurde dieses Protekorat völkerrechtlich anerkannt. 1822, 1868, 1880, 1884, 1885 und 1886 kamen Emirate im Golf, Basutoland, Bahrein, the Oil Rivers Protectorate, Betschuanaland und das Sultanat Mahra, 1894 Uganda, 1899 Kuwait dazu. Selbst Ägypten, das seit 1882 de facto ein britisches Protekortat war, wurde es auch offiziell zu Beginn des Ersten Weltkrieges, nicht danach.
Ich erinnere mich nicht, "Stalin (pseud.)" gelesen zu haben, eher "Stalin (eigentlich Dschugaschwili)" oder "Lenin (eigentlich: Uljanow)". Bei Krämer aber heißt es "Bat Ye’or (pseud.)," statt "Bat Ye’or (eigentlich Gisèle Littman)". Auch hier winkt sie mit Wissen, ohne den Leser daran teilhaben zu lassen.

Übrigens: Ganz hat Gudrun Krämer den Verstand nicht verloren. Sie lernt nämlich dazu. Kürzlich hatte Sie eine Geschichte des Islam abgeliefert, die im wesentliche eine Geschichte islamischer Reiche war, jetzt unterscheidet sie zwischen "“in Islam”, i.e., in the Qurʾān, the Sunna of the Prophet and the normative Islamic tradition at large" und "“under Islam”, that is to say in societies ruled by Islam over the course of history" – nicht gerade knapp, aber richtig. Aber sie wäre nicht Krämer, wenn sie einfach "in muslimischen Gesellschaften" schriebe; sie tut es nicht unter "in the Muslim world, or as it is often put, ‘in Islam’ ... in the Muslim world, or as it is often put, ‘in Islam’" (nicht ich stottere hier sondern sie, das steht direkt hintereinander auf Seite 243) "and again" "interaction in Muslim societies (or to be more precise, societies under Islamic rule)" – denn ohne Widerholung und ohne Sich-selbst-Berichtigung wäre es kein echter Krämer.
Falls ich mit meiner Kritik zu weit (oder zu kurz) gegangen sein sollte, bitte schreiben. Das ist ja hier nicht in Stein gemeißelt und kann leicht verbessert werden.

[1] Statt klar zu defenieren was sie meint, versucht sie einfach alles abzudecken. Ob »anti-semitisch« der Oberbegriff ist und »anti-jewish« ein Unterbegriff
oder beide sauber getrennt sind wie »anti-judaic« (gegen die Praktiker der jüdischen Religion) und »anti-semitisch« (gegen die Angehörigen der jüdischen Rasse)
oder »anti-jewish« (alle Bestrebungen gegen Juden gleichwelcher Art und zu jeder Epoche) der Oberbegriff und »anti-semitisch« der Unterbegriff für anti-jüdische Bestrebungen nach der Emanzipation ist, das alles interessiert Krämer nicht. Wie weiter unten mit »the Holocaust / Shoah« und früher schon »Naher und Mittlerer Osten« es werden einfach blind mit Wortnebeln geworfen, statt dass mit Begriffen operiert wird. Das überzeugt im Fernsehn aber nicht auf Papier.

[2] aus meiner Besprechung von Geschichte des Islam:
Wer Arabisches in einen deutschen Text einstreut, setzt eher Duftmarken der Gelehrsamkeit, als dass es beim Leser wirkliches Wissen erzeugt. Das gilt erst recht für die Krämersche Art es zu tun:

so steht’s bei Krämer :

so herum ginge es:

Bindung an einen Herrn oder Patron (walaʾ)

walaʾ (Bindung an einen Herrn oder Patron)

Versammlung der Clanführer (malaʾ)

malaʾ (Versammlung der Clanführer)

Anführer der Stämme (ashraf)

ashraf (Anführer der Stämme)

«übertriebene» Verehrung (ghuluww)

ghuluww («übertriebene» Verehrung)

Wiederholung des Namens (dhikr)

dhikr (Erinnerung, Wiederholung des Namens)

blinde Nachahmung menschlicher Autoritäten (taqlid)

taqlid (blinde Nachahmung menschlicher Autoritäten)

Wie kann ich behaupten, die Form in der ersten Spalte sei falsch? – Weil der Leser nicht wissen kann ob walaʾ „Herr/Patron“ oder „Bindung an den Patron“ heißt, ob malaʾ die „Clanführer“ sind oder deren Versammlung, ob taqlid „Autoritäten“, „Autorität“, „Nachahmung“ oder „blinde Nachahmung“ bedeutet.

ashraf sind weder die „Stämme“ noch die „Anführer“ – scharīf (šarīf), {pl. aschrāf (ašrāf)} ist der Edele; es kann ein Stammesführer sein, es kann aber auch ein Prophetennachfahre sein; der Scherīf von Mekka war bis 1924 der Herrscher von Mekka – übrigens schreibt Krämer, diese Sippe gehöre „wie die Abbasiden“ zur Familie des Propheten, was nicht stimmt: die ʿAbbāsiden stammen von Muhammads Großvater, die Scherīfen von Muhammads Tochter ab.

ghuluww ist keineswegs Verehrung, sondern Übertreibung – ġālī, {pl. ġulāt} „Übertreiber“ fehlt ebenso wie der Hinweis, wie gh und uww zu sprechen sind (als Pariser r  und langes u + w). ġulū bzw. ghulū Vertreter übertriebener Positionen (GdI 298) „religiöse Übertreibung“ (ghuluww) (GdI 165)

Meines Erachtens haben arabische Würter in einer „Kleinen Geschichte für Laien“ nichts zu suchen, außer
– das Wort steht für einen islamo-arabischen Kernbegriff, den es sich zu merken lohnt,
– das Wort ist „unübersetzbar“,
– das Wort kommt in der Presse oft vor – diese müssen aber auch richtig erklärt werden.

Bei Krämer sollen die Arabismen lediglich die Leser beeindrucken.






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L e i t s e i t e

Kritik an Sabine Schmidtkes unsäglichem Aufsatz in der WdI

Kritik an Schmidtkes Herausgabe eines unsäglichen Buchs

Krämers Jews in ...
Kritik an Krämers Geschichte Palästinas

Lob des Buches von el-Rouayheb

Kritik eines Artikels von el-Rouayheb

liwāṭ im fiqh (html)