Schmidtkes Ausagen bzw. Wörter

zur Sprache

zum Inhalt

Die Homosexuellen fanden Rechtferigung und Vorbilder auch im Islam.

In der Note führt Schmidtke ein Werk an, das nichts mit dem Gesagten zu tun hat, aber ihr ganzes Geplapper zu untergraben geeignet ist: Robert Aldrich: The Seduction of the Mediter­ranean. Writing, Art and Homosexual Fantasy, London 1993 – es geht darin, wie S.S. angibt, um die „Konstruktion des nördlichen Mittel­meer­raumes als Raum freier Homoerotik“. Nimmt man die Werke White Men and Men of Colour übers.: Heinz Vrochta: Weiße und farbige Männer in Forum Homosexualität und Literatur 7 und The Mediterean Obsession Referat auf Homosexuality, Which Homosexuality? Amsterdam 15.-18.12.1987 vom gleichen Autor, sowie das Werk Fiction and the Colonial Experience Ipswich 1973 des von S.S. in der­selben Note mit einem anderen Werk zitierten Jeffrey Meyers wie auch John Pemble: The Mediteranean Passion. Victorians and Edward­ians in the South Oxford 1987 hinzu, so ergibt sich eine der – meiner Ansicht nach – nötigen Relativierungen, Einordnungen. Für weitere Vergleiche.

Sie ergänzten das romantisierte Orientbild um die Komponente „Ort sexueller Toleranz und freier Homosexualität.

[zum Anfang der Seite]

Ihre romantischen Vorstellungen vom homoerotischen Orient speisen sich aus Werken wie dem Buch der tausend­undein Nächte, das seit der Galland'schen Übersetzung als Inbegriff des hetero- und homo­erotischen Orient schlechthin galt,

Weder im Text noch in der Note gibt es dazu einen Beleg. Es wäre auch ein kleines Wunder. Ich habe Einschlägiges bei Galland nicht gefunden. Selbst Littmann brüstet sich noch, in seiner Übersetzung das Unkraut gejätet zu haben; manchmal als „hier folge ich der Beiruter Ausgabe“ getarnt.
S.S. scheint weder Alf Laila wa-Laila noch die Sekundär­literatur gelesen zu haben. Sonst würde sie doch nicht einen obskuren Aus­stel­lungs­katalog­text von Grotz­feld angeben – eine Angabe, die sie schlicht bei Rudi Bleys abge­schrieben hat, – statt das 1984 in der Reihe „Erträge der Forschung“ erschiene Die Erzäh­lungen aus ›Tausend­undeiner Nacht‹. Mir scheint, daß fast nur die Übersetzungen von Burton und Mardruse Material für Homo-Fantasien boten. Mehr zu 1001 Nacht hier.

... dem Diwân des Hâfîz (vgl. auch Helmut Blazek, Rosa Zeiten für rosa Liebe S. 97ff.)

Daß sich S.S. auf den Konzelmann der Homo­kunde, den Du&Ich-Autor Blazek beruft, dessen Buch deutlich zeigt, daß er seine eigenen Exzerpte nicht verstanden hat, verrät nur allzu deutlich, daß sie im Dunkeln tappt.

... oder auch den Rubâciyyât cUmar Hayyâms

Es fehlt ein Beleg. In der einschlägi­gen Antho­logie Elisarion von Kupffers Liebling­minne (sic) und Freundes­liebe in der Welt­literatur, Berlin 1900 (Reprint Berlin 1995) fehlt der Zeltmacher.

Auch Thomas Edward Lawrence Verbindungen zu arabi­schen Jungen und Schilderungen seiner Verge­waltigung durch türkische Soldaten (sic), die seine homo­sexuellen, wenn auch masochistisch-destruktiven Begierden wider­spiegelten, speisten die Phantasien des abendländischen homosexuellen Betrachters.

Lawrence ließ sich nicht von Soldaten, sondern vom Gouverneur der Garnisons­stadt selbst vergewaltigen. Britishness oblige.
Sehrr schön: eine Vergewalti­gung spiegelt die Begierde wider und DER abendländische Homo­sexuelle speist mit dergleichen destruktiven Begierden seine Phantasien. Gewürzt mit Verbindungen zu Jungen ergibt sich ein wissen­schaftlich differenzier­tes Einheits­bild der Homosexualität.
Sehrr schön ist auch „wenn auch“.

Die Anhänger der These, daß Homosexualität eine ange­borene, natürliche Neigung sei, begründeten sie mit der weiten Ver­breitung homo­sexueller Praktiken im Orient. Karsch-Haack schreibt: „Wir ... nehmen vielmehr homo­erotische Lebensäußerungen, wo immer sie aus Neigung geboren in Erscheinung tritt, als Natur­erzeugnis endemi­scher Anlage hin und so natürlich auch für die Araber.“

Die von S.S. behauptete Begründung fehlt. Karsch leitet die Fakten schlicht aus seiner Vorannahme ab. Daß S.S. nicht zwischen Indiz und Schluß­folgerung, zwischen einzelnem Fall und Regel unter­scheiden kann, haben wir schon gesehen, sind also nicht erstaunt. Wie sollte auch die weite Verbreitung von mann-männ­lichem Sex bei Leuten, die heiraten und Kinder zeugen, die These von der angeborenen Homo­sexuali­tät begründen?

Wie ich die Sache sehe, können Sie hier lesen.
Und weiter geht es in gut essentialisti­scher Gegen­über­stellung von zwei Sorten Mensch, den Heteros und den Homos:

Auch andere Klischees, die von heterosexuellen Orient­wissenschaftlern durchgängig negativ beurteilt wurden, interpretiert Karsch-Haack positiv. Die offene Zurschau­stellung homo­erotischer Neigungen und Aktivi­täten etwa, die hetero­sexuelle Beobachtern des christ­lichen Abend­landes ein Greuel waren, wird von ihm idealisie­rend als „unbedenk­licher Wahrhaftig­keits­sinn auch in geschlecht­lichen Fragen“, einer der löblichen Eigen­schaften des Arabers“[,] dargestellt.

Das Klischee der „Sinnlichkeit“ der Araber bewertet Karsch-Haack ebenfalls eindeutig positiv und sieht darin das ästhetische Ideal der Männer­freundschaft verwirklicht (p. 114)

Steht da nicht! Was Karsch schreib ist:
"Die Homoerotik der Araber zeugt von erfrischender Sinnlichkeit. Es ist aber der Eindruck unrichtig, daß sie eben nur Sinnlich­keit sei. Araber haben auch Tiefes über dauernde Freundschaft gedacht."
Keine Spur davon, dass sich ästhetische Männer­freundschaft in Sinnlichkeit verwirkliche!
Merkwürdig, dass S.S. den anderen einschlägi­gen – und für Marokko relevanten – Autor un­er­wähnt lässt: Dr. Numa Prateorius (= Eugen Wilhelm): Über gleichgeschlechtlichen Verkehr in Algerien und Tunis in Anthropophyteia VII (1910)

Weiter geht es zu den bösen Orientalisten                     zurück zur L e i t s e i t e